Begegnung mit dem Schatten

Ich räumte den Tisch ab und löschte die Kerze, während mein Wichtel aus dem Fenster sah. Ich wusste, dass sein Blick auf die Elfensteine gerichtet war, deren Konturen sich langsam aus dem Nebelschleier herausschälten…

Als ich nach dem Abwasch aus der Küche zurückkam, blickte Wichtel Helferich immer noch regungslos aus dem Fenster. Ich setzte mich an den Schreibtisch, startete den Computer und wollte mit dem Schreiben einer Geschichte beginnen. Ohne seinen Blick abzuwenden sprach mich mein Wichtelfreund unmittelbar an. „Die Steine sind wirklich mystisch und in jeder Hinsicht geheimnisvoll“, bemerkte er. „Wenn ich nicht dort am Geröllfeld in eure Welt gepurzelt wäre, würde ich mich jetzt über deren Anblick wundern. Trotzdem frage ich mich, wie du dich so hast inspirieren lassen, dass du diese Reckengeschichte so abenteuerlich darstellen koHST-mystic1nntest.“, ergänzte er.

„Schau“, antwortete ich. „Hier von meinem Schreibplatz aus habe ich die Elfensteine genau so im Blick wie du. Wenn ich also am Computer sitzend aus dem Fenster schaue, werden sofort alle dort erlebten Eindrücke lebendig. Ich beschreibe nur die Bilder, welche so vor meinem geistigen Auge vorbeiziehen.“

„Ja und dabei vermittelst du den Menschen die dir zuhören ihre eigenen Bilder, führst sie auf neue Erlebenspfade und Erkenntniswege“, sprach Wichtel Helferich, während er sich mir zuwendete. „Ich glaube, ich hätte jetzt Lust das etwas traurige nächste Kapitel aus der Reckengeschichte zu hören“.

Eigentlich wollte ich ja unsere Gesprächspause zum Schreiben benutzen, denn ich hatte ein paar interessante Eindrücke bemerkt, die nach außen drängten und nach Worten und Begriffen riefen. Aber so ist es halt mit den Wichteln, ob mit großen oder kleinen, sie mögen ungern warten… „Also gut“, sagte ich, zündete uns wieder die Kerze an, schlug das Buch zur Erinnerung auf und begann:

„Begegnung mit dem Schatten“

„ DAS GEHEIMNIS „

Mein Wichtel strahlte mal wieder über sein Antlitz und seine Augen leuchteten, als meine letzten Worte verklungen waren. Wie meine Romanfigur besaß er natürlich ebenso die Magie des Lachens. Er kicherte und turnte vor weiterer Erwartungsfreude auf dem Sessel hin und her, als wolle er seine Morgengymnastik nachholen. „Bitte lies noch ein bisschen weiter Isak“, bat er und schaute dabei so verlangend, dass ich ihm auch diesmal seinen Wunsch nicht abschlagen konnte. Lächelnd rückte ich mich auf meinem Stuhl zurecht und setzte meine Lesebrille auf, damit ich ihm das Gedicht zum Einstieg ins nächste Reckenabenteuer vorlesen konnte:

Die Worte des Zwerges klangen mahnend und geheimnisvoll als er sprach:

„Willst du durch die Zauberpforte geh`n, musst du mit den inneren Augen seh`n. Folge der Flamme, deinem inneren Licht. Sonnst kommst du nicht an und findest dich nicht. Suchst du das Feuer, dann finde den Berg. Dies verrat` ich dir als Zauberzwerg“

„Oh, jetzt wird es aber auch etwas traurig bei dem aufregenden Reckenabenteuer“, bemerkte der Wichtel nachsinnend. Ich stimmte zu und dachte an den Recken, dem gerade ein paar Trauerperlen über sein verwegenes Reckenantlitz gekullert waren. Tief berührt von dem Geschehen, vom Gehörten und in der Erwartung wie und wann es weitergehen sollte, saßen wir eine Weile da.

Ich räumte den Tisch ab und löschte die Kerze, während mein Wichtel aus dem Fenster sah. Ich wusste, dass sein Blick auf die Elfensteine gerichtet war, deren Konturen sich langsam aus dem Nebelschleier herausschälten…

DER ZAUBERZWERG UND DIE GLÜCKSFEE

„Das ist ja ein lustiges Gedicht und eine Warnung zugleich“, folgerte Wichtel Helferich mit blitzenden Augen. Die Abenteueretappe des Recken hatte ihn putzmunter werden lassen. „Komm lass uns frühstücken, dann kannst du mir anschließend erzählen wie es weitergeht“, sagte er.

Hunger verspürte ich auch und so beschloss ich die nötigen Vorbereitungen in der Küche zu treffen, damit wir bei Kerzenschein und Abenteuerstimmung das Frühstück genießen konnten. Mein Wichtel mochte gerne englische Orangenmarmelade mit dicken Schalenstückchen auf einem gebutterten Toast. Dazu beliebte er eine Tasse heiße Schokolade mit Sahnehaube zu trinken. „Mmh… das ist ja köstlich“, rief er begeistert und futterte drauflos, als gelte es einen Wettbewerb zu gewinnen. „Ich will schnell wissen, wie`s weitergeht Isak“, ließ er mich mit einem Augenzwinkern wissen.

Ich schmunzelte und legte schon mal das Buch parat, während ich mit einem Schluck Kaffee die letzten Essenskrümel hinunterspülte. „Dann sollst du hören was es mit dem Zauberzwerg und der Glücksfee, welche der Nebeldrache so trefflich beschrieben hatte, auf sich hat“, sagte ich etwas theatralisch. “Höre:

Cartoon knight facing a big red dragon

„ DER NEBELDRACHE “…

Als kleines Geschmacksmuster, hier die Weisung des Nebeldrachen an den Recken:

Der Baumdrache wohnt hinter dem Wolkenberg, gehütet von einem gefürchteten Zwerg. Er ist fürwahr ein finst`rer Gesell`, der jeden verzaubert auf der Stell`, der sich ihm nähert ohne Geheiß. Ich sag` es als Warnung, weil ich es weiß:

Selbst der Waldschrat, der Gnom, auch Kobold und Troll haben von dem Zwerg längst die Nase voll. Sie meiden Ihn und machen große Bögen um ihn herum, weil sie ihn nicht mögen…

Mit dieser Warnung verabschiedete sich der Nebeldrache vom Recken, der somit seiner nächsten Abenteueretappe entgegenritt…

„Gute Nacht und Morgengrauen“

Als ich das Kapitel beendet hatte merkte ich, dass mein Wichtelfreund vom Himmelsdrachen, den ich zuvor erwähnt hatte, in das Reich der Träume und des Schlafes entführt wurde. Mit einem seligen Lächeln lag er da,währenddessen ich das Licht löschte. Sicher würde mir Wichtel Helferich beim gemeinsamen Frühstück mitteilen, an was er sich noch erinnern konnte. So legte ich mich ebenfalls zur Ruhe und freute mich schon darauf, wie es mit unserem Wichtelgespräch weitergehen würde. Mit einem zufriedenen Gähnen schlief ich entspannt ein…

„Isaaak!“, hörte ich die wohlbekannte Stimme meines Wichtels wie aus weiter Ferne rufen. In der Morgendämmerung erkannte ich das Wichtelantlitz neben meiner Bettdecke. „Schau mal, was für interessante Dunstschwaden über die Wiese ziehen. Schnell, zünde uns eine Kerze an und lies mir zur Einstimmung in den Tag noch ein weiteres Kapitel aus dem Reckenbuch“, hörte ich Helferich sagen. Nachdem ich mir erst mal den Schlaf aus den Augen gerubbelt hatte, blickte ich an meinem Wichtel vorbei aus dem Fenster. Tatsächlich schlich dort der Morgennebel mit wallenden Gewändern durch das Wiesental. „Mmh…“, brummelte ich und zündete eine Kerze an. Dann zog ich mir die Schlafdecke über die Füße und blätterte im Buch.

Mein Wichtelfreund hatte sich erwartungsvoll in seinen Sessel gekauert. Bevor ich fragen konnte, antwortete er mir schon: “Ich kann mich noch an alles aus dem letzten Kapitel erinnern, das du mir vor dem Einschlafen erzählt hast. Bis zum Schluss, das mit dem Himmelsdrachen und dem Recken, der dann aufwachte. Wie dein Recke in dem Buch, bin auch ich heute morgen wach geworden, so als hätte ich dieses Abenteuer noch einmal geträumt.“

Ich grinste vom Buch aufschauend: „Das passt ja ausgezeichnet mit dem Morgennebel. Genau wie bei der nächsten Abenteuergeschichte des Recken“, sagte ich. Wichtel Helferich strahlte, während ich das nächste Kapitel erzählte:

„ DER NEBELDRACHE “…

Wenn Ihr bis hierhin mitgelesen habt, scheint Euch die Geschichte des Recken vom Zauberberg zu gefallen. Das gefällt uns, meinem Wichtelfreund und mir natürlich. Im weiteren Gespräch erwähne ich allerdings nur noch die Überschriften der Kapitel. Die weiteren Begebenheiten bitte ich Euch im Buch „DörnbergGeschichten – Der Recke vom Zauberberg“ weiter zu lesen…

Das Buch ist überall im Buchhandel erhältlich. Hier ein Link zu Amazon:

http://www.amazon.de/DörnbergGeschichten-Der-Recke-vom-Zauberberg/dp/3842365977/ref=tm

 

Der Drache in Irgendwo

Die letzten Worte meiner Erzählung waren gerade verklungen und während der Recke in sein nächstes Abenteuer galoppierte, schien mein Wichtelfreund entspannt dem Schlaf entgegenzueilen. Ich schmunzelte, über den Rand meiner Brille blickend und legte das Buch beiseite, aus dem ich einige Passagen zitiert hatte.

Wichtel Helferich hatte sich in den Sessel geräkelt und bat mit einem kurzen Augenaufschlag um eine Decke. Ich legte sie behutsam um ihn und er kuschelte sich hinein. „Du musst mir aber noch etwas weiter zum Einschlafen vorlesen Isak“, sagte er mit einem bittenden Lächeln. „Ich höre, auch wenn ich mein Augen geschlossen habe“, fügte er leise murmelnd hinzu. „Vergiss nicht die Kerze zu löschen, wenn ich eingeschlafen bin“, hörte ich ihn noch sagen, bevor ich das nächste Kapitel ankündigte:

„Der Drache in Irgendwo“

Zunächst ging es im leichten Galopp durch´s Gelände, hinaus in die Ferne, ins weite Land. Dass der Drache irgendwo war, dessen war sich der Recke gewiss. Er war schon oft irgendwo gewesen, so war ihm die Richtung auch nicht fremd. Auch das Pferd schien zu wissen, wohin es ging, denn es wieherte vergnügt und schlug gelegentlich übermütig mit den Hufen aus, dass die Steine auf dem Weg Funken sprühten. „Irgendwo“ musste mehr am Berg, denn im Tal liegen, ahnte Recke Fürchtenichts, und als er auf einer grasigen Hochebene hinter dem dunklen Hag der Wölfe rastete, beschloss er, sich einen Plan zu machen.

Ja genau, er wusste plötzlich, wie er „Irgendwo“ finden konnte. „Er musste ja, da er so intensiv daran dachte, schon ganz in der Nähe sein. Wenn er jetzt von hier aus in großräumigen Kreiswegen durch´s Hochtal, spiralig enger werdend, um den Berg ritt, musste er ja zwangsläufig ins „Irgendwo“ und dem dort innewohnenden Drachen gelangen“, sagte sich der Recke.

Wie er so gedanklich den Spiralweg in die Höhe dachte, waren von ihm unbemerkt die Nebelgeister aus dem Wald emporgestiegen. Sie hatten den Recken lautlos schon fast umzingelt und umwallten ihn mit ihren feucht wehenden Gewändern.

Eine seltsame Schwere ergriff ihn und legte sich wie bleierne Müdigkeit in seine Glieder. Recke Fürchtenichts reckte gähnend seine Reckenglieder, rutschte etwas näher an einen Busch und zog sich seine Kuscheldecke über. Die Nebelgeister umwallten ihn, bedeckten ihn gänzlich und flüsterten ihm Traumworte ins Ohr. Der Recke war eingeschlafen…

Die Traumworte der Nebelgeister wandelten sich vor dem inneren Auge des Recken zu Bildern und offenbarten ihm die Geheimnisse, die er noch ent-schlüsseln musste, um seinen Plan zu erfüllen.

Er sah sich im Traum auf seinem Pferd, welches Flügel hatte, über Täler und Hochebenen gleiten. Interessanter-weise bewegte sich sein Pferd, welches aus weiß-goldenem Licht bestand und kristallfunkelnde Augen hatte, genau wie er es sich vorgestellt hatte, mit sanften und gleichwohl mächtigen Flügelschlägen spiralig zum funkelnden Sternenhimmel empor. Die Sterne strahlten glitzernd und erzeugten wundersame Töne, jene, die als Sphärenklänge und Himmelsmusik benannt werden. Gelegentlich glaubte der Recke auch noch ein leises Kichern wahrzunehmen. Vielleicht irrte er sich auch. Doch da war es wieder, zunehmend lauter und schwoll dann zu einem dröhnenden Gelächter an.

Verunsichert blickte Recke Fürchtenichts auf das funkelnde, dröhnende Lichtgebilde hoch über ihm im Kosmos. „Der Drache“ entfuhr es ihm. „Ha, ha, ha, Ho, ho, hooo…“, dröhnte das donnernde Lachen über dem Recken, während der Drache funkelnd und strahlend einen Kometenregen über ihn schüttete. Das gewaltige Himmelsfeuerwerk versetzte den Recken Fürchtenichts in Furcht und Erstaunen zugleich.

dragon symbol
Fotolia

Die Sternschnuppen umkreisten funkensprühend, wie ein dichter werdendes feuriges Netz den Recken, der sich samt Ross spiralig in diesen Feuerschlund hinein-gezogen fühlte. Aus der Ferne hörte er noch das leiser werdende Lachen des Himmelsdrachens, bevor ihn dichte Dunkelheit umfing.

Recke Fürchtenichts schreckte auf, und während er sich in der Dunkelheit sitzend aufrichtete, tastete er nach seinem Schwert. Dieser gewohnte Griff beruhigte ihn und gab ihm augenblicklich seinen Mut zurück. Was war hier geschehen? War das ein Traum?, fragte sich der Recke. Nein, dies war ein Traum-Abenteuer, und auch dieses hatte er mit seinem ihn immerwährend begleitenden Glück irgendwie unversehrt überstanden.

Der Himmelsdrache, dieses überirdische Wesen, hatte sich ihm also offenbart. Diese wohl höchste Instanz aller Drachenwesen erschien jetzt dem Recken bei seinem abenteuerlichen Vorhaben als gutes Omen….

Vom Finden der Möglichkeiten…

Als ich das erste Kapitel des Recken vom Zauberberg zu Ende erzählt hatte, sagte mein Wichtel: „ Das mit den Rittern und Recken ist ja eine interessante Unterscheidung. Dass dein Held aber auch noch Fürchtenichts heißt, klingt schon sehr beeindruckend. Das gefällt mir und besonders gut finde ich, dass du die ganze Geschichte in mehrere Kurzerlebnisse, du nennst sie Kapitel, unterteilt hast. So kannst du mir immer einen weiteren Teil der Begebenheit erzählen, wenn wir wieder so gemütlich bei Kerzenschein zusammen sitzen.“

„Gerne, das mache ich“, antwortete ich und wollte die Kerze löschen, weil ich glaubte, dass mein Wichtel sich nun zur Nachtruhe begeben wollte. Aber sein erstaunter Augenausdruck ließ mich innehalten. „ Du hast doch gerade erst mit der Geschichte begonnen“, sagte Helferich ganz aufgeregt. „Du kannst doch jetzt nicht schon Schluss machen. Ich muss jetzt erst mal hören wie es weitergeht, damit ich die Nacht über von dem Erlebten träumen kann“, sprach mein Wichtel weiter und nickte dazu bejahend mit seinem Kopf…

„Nun gut“, merkte ich an, „dann erzähle ich das nächste Kapitel:

Vom Finden der Möglichkeiten…

Jetzt war es wieder an der Zeit ein neues Abenteuer zu erleben. „Wo soll ich mir mein neues Abenteuer nur suchen?“ fragte sich der Recke oftmals täglich, so wie einem immer wieder tagtäglich Gedanken und Fragen durch den Kopf gehen.

Wie er wieder einmal so da saß, hatte er plötzlich die Antwort, so als ob ihm eine Elfe ins Ohr geflüstert hätte. Oder vielleicht war es war es auch ein Kobold? Nun, jedenfalls wusste der Recke, dass er nicht suchen musste, sondern sich finden lassen sollte. Wo aber sollte er jetzt hin gehen, um vom Abenteuer gefunden zu werden? Was musste er jetzt dazu tun? Musste er irgendein oder jemandes Interesse erwecken? Oder, oder, oder..!

Da waren auf einmal so viele Gedanken, so viele Fragen und sooo viele Möglichkeiten, und vor allen Dingen sooo viele ODER……

Wer kennt nicht diese verflixt auswegslose Situation. Dieses ODER mit all seinen unvorstellbaren verborgenen Möglichkeiten kann sich zu einem wahren Monster auswachsen, überdimensional wie ein riesengroßer Drache.

Halt, stopp!! Alle Gedanken anhalten sagte sich der Recke, „Ich hab`s, ja, ich hab`s….   „Drache, ja ein DRACHE“ !!

So etwas hatte er bislang noch nicht erlebt, gestand sich Recke Fürchtenichts ein. Das war es, was erfahren werden wollte, nein was erlebt werden musste. Und schon wusste er, wie er jenem blutrünstigen Monster, ja ein Feuer-Drache musste es sein, begegnen werde. Ha, ha, ha und ho, ho, ho“, lachte er lauthals vor Vergnügen. Ja er, der Recke Fürchtenichts war von einem neuen Abenteuer gefunden worden und musste jetzt zur Tat schreiten: Er würde den Feuerdrachen finden und bezwingen, ja vielleicht sogar zähmen und als Trophäe vorführen……

Mit diesen Gedanken prüfte der Recke zufriedenstellend seine Waffen, Lanze, Schwert und Schild, um sich mit dröhnendem Ha, ha, ha und Ho, ho, hooo auf sein Pferd zu schwingen ….

Knight riding towards the sunset sky dragon

1. Kapitel… Recke Fürchtenichts

„Das klingt ja alles sehr aufregend!“, rief Wichtel Helferich und ich stimmte ihm zu. Ja, in der Tat war alles erlebte für mich so aufregend gewesen, dass es mir keine Ruhe mehr ließ, bis ich die Geschichte zu Ende geschrieben hatte…

„Also“, sagte ich zu meinem Wichtelfreund, der gespannt seine Wichtelohren spitzte: „Und so begann alles…

Ha, ha, ha und ho, ho, hooo …, das waren des Ritters wichtigste Worte, und das zweitwichtigste war, jedem, der ihn als edlen Ritter ansprach, eine wortgewaltige Abhandlung über Ritter und Recken zu geben.

Nebenbei sei bemerkt, dass Ritter im Grunde genommen immer edel sind, es sei denn, sie seien Raubritter. Aber mit solchem Gesindel hatte unser Ritter, der ja außerdem auch noch ein Recke war, nichts am Hut.

So ergoss er sich in seinen Erläuterungen, dass er ja nicht irgendeiner von den vielen edlen Rittern dieser Welt sei, sondern ein Recke !!

Und das ist ein wesentlicher Unterschied. Ritter sind edel und galant, höflich, gepflegt, usw. aber ein Recke, ja ein Recke verfügt natürlich ebenso über alle ritterlichen Eigenschaften und darüber hinaus doch noch über etwas sehr viel wesentlicheres. Nämlich Abenteuerlust, Kampf-geist und Unerschrockenheit, na ja, eben all das, was auch Kinder so in ihrem Abenteuer-Herzen tragen.

Also ein grundlegendes Prinzip für den Recken ist neben dem rittertümlichen Alltag seiner Abenteuerlust zu frönen. Dabei geht es nicht nur um das heile Durchstehen eines Abenteuers, sondern auch darum, wesensgestärkt daraus hervor zu gehen…..

Unser Recke, Ritter Fürchtenichts, wie er von allen genannt wurde, war also auf der Suche nach einem neuen Abenteuer. Warum neue Abenteuer? Nun, alte sind erlebt, durchlebt und abgelebt. Die Erfahrung ist gemacht und irgend etwas aus dem Innern drängt darauf, einer neuen Lebenssituation zu begegnen, die sich abenteuerlich umsetzen lässt. Natürlich gelingt dies nur, wenn aus dem Vorherigen etwas gelernt wurde…

Nun, Recke Fürchtenichts hatte aus vielen Abenteuern gelernt und hatte all´ seine bisherigen Erfahrungen auch im außeraben-teuerlichen Alltag umgesetzt und angewandt. Mal fleißig, mal bedächtig oder auch kraftvoll oder listig. Er war eben ein mit allen Wassern gewaschener Abenteurer und ein berühmter Recke.

Das kleine Licht

Das kleine Licht leuchtete irgendwo im tiefsten Dunkel einer Höhle von der keiner wusste wo diese war. Das war auch der Grund, weshalb sich das kleine Licht fürchtete und ganz zaghaft vor sich hin brannte. Es war ja noch so klein und sehr einsam. Es wusste noch gar nicht wirklich, was es in der Welt sollte und schon gar nicht, warum es hier so allein war…Kerze-dunkel-Klein

Ein kleines Mädchen, das gerade laufen gelernt hatte und sich deshalb immer wieder freute, in einen neuen Lebenstag zu laufen, einfach so, weil es eben Freude bereitete, war mit seinen Eltern unterwegs. Sie hatten ihrem „Lichtblick“, wie sie ihr Kind liebevoll nannten versprochen, einen richtig großen Ausflug zu machen. Mit Picknick im Freien, Herumtollen und Spielen und allem was Kindern so Spaß macht. Die Eltern freuten sich über ihr lebenslustiges Kind und taten alles, seine Lebensfreude zu unterstützen. Das wiederum erfreute das kleine Kinderherz so sehr, dass es vor Freude so kraftvoll pochte, dass dem Kind zeitweilig die Sonne aus seinem kleinen Gesichtchen zu strahlen schien. Deshalb wurde es gelegentlich auch Sonnenschein genannt.

Dieser kleine Sonnenschein war also mit seinen großen Eltern unterwegs, zu einem Abenteuer-Erlebnistag. Erst spielten sie auf einer großen Wiese Fangen, durchwanderten einen Wald und übten sich dabei im Verstecken und kamen schließlich zu einer kleinen Felsengruppe, die malerisch schön anzuschauen war. „Die sehen ja aus wie Tiere und Steingeister“!, rief das kleine MäSteinkopf-1-Kleindchen entzückt und freute sich, dass seine Eltern diesen zauberhaften Ort gefunden hatten. Hier sollte gerastet und gegessen werden beschlossen alle gemeinsam und danach wollte man diese mystisch anmutenden Steine näher erkunden.

Das kleine Mädchen war so aufgeregt vor Freude, dass es sich schnell ein paar Leckereien in den Mund schob, ein dickes Kuchenstück in seine kleine Umhängetasche steckte und auf einen Stein kletterte. Die Eltern ließen es geschehen und aßen ruhig weiter. Sie hatten ihren Sonnenschein ja im Blick, der auf diesem magischen Stein ritt, welcher wie ein Drachenkopf aussah. Sie lachten und scherzten miteinander und freuten sich ebenso wie das kleine Kind. Doch wie sie einmal wieder zu ihrem Kind hinsahen, war es weg – verschwunden…

Was war geschehen? Das kleine Mädchen hatte bei seinem Ritt auf dem Drachenkopf, zu seinen Füßen eine schmale Felsspalte entdeckt, die seine Aufmerksamkeit erweckte. So ließ es sich langsam herunter gleiten, um sie näher zu betrachten, denn sie mutete wie ein kleines Tor zur Zauberwelt an. Kaum hatte ein Fuß den Spalt erreicht, rutschte der kleine Mädchenkörper hinterher, als würde er von einer unsichtbaren Kraft gezogen. Das kleine Mädchen war so überrascht, dass es keinen Laut von sich geben konnte. Es spürte etwas Furcht in sich, was aber mehr der Gedanke an seine Eltern war, die sich sicher sorgen würden, wenn sie ihren Sonnenschein und Lichtblick aus den Augen verloren hätten.

Still war es um das kleine Mädchen, welches sich in einer Steinhöhle wiederfand und dunkel, wenngleich auch durch einen schmalen Spalt an der Decke etwas Sonnenlicht fiel. „Sicher gehört das zu dem Abenteuerspiel, das sich meine Eltern ausgedacht haben“, dachte das kleine Mädchen und überlegte, wie es nun weitergehen sollte. Die Wand zu der Felsspalte, durch die das kleine Mädchen in die Höhle gepurzelt war, war schräg wie eine Rutsche und glatt wie ein Spiegel. Hinauf ging es also nicht, also muss es einen anderen Ausgang geben, dachte sich das kleine Mädchen. So tastete es sich im Dunkel der Höhle, dessen Steine sich wohlig warm anfühlten, langsam vorwärts. Es wurde immer dunkler und als das kleine Mädchen das tiefste Dunkel der Höhle erreicht hatte, wollte es schon aufgeben, denn jetzt plagten es doch schon Zweifel, ob das mit dem Erlebnisspiel so richtig sein könnte? Auch war es mit Verdichtung der Dunkelheit jetzt zunehmend kühler geworden. Das kleine Mädchen fröstelte… Kerze-magic-dunk-rund

Was sollte es jetzt tun? Umkehren machte keinen Sinn, denn es war hier im Dunkel nicht ersichtlich, wo der Weg zurück ging. Also weiter, aber wohin? Als das kleine Mädchen so im Dunkel in sich hineinhorchte, glaubte es eine zarte Stimme zu vernehmen. „Komm!“, forderte diese auf,“geh weiter und finde mich.“ Das hatte das kleine Mädchen bisher noch nie gehört. Es war erstaunt und als es versuchte mit seinem Blick das tiefe Dunkel zu durchdringen, schien es ihm, als flackerte irgendwo ganz weit vor ihm ein Licht. Wie eine Kerze, die jemand in der Höhle angezündet haben musste.

Das kleine Mädchen ging zunächst zögerlich, doch im Näherkommen immer entschlossener darauf zu und erkannte schließlich eine zarte Lichtflamme, welche im Raum zu schweben schien. Die kleine Flamme wechselte flackernd ihre Farbe, war mal gelb oder violett, dann wieder mehr weiß, oder auch rotorange mit einem grünen Rand. Es schien so, als würde dieses kleine Flackerlicht sich freuen und deshalb die Farbe wechseln. Neugierig kam das kleine Mädchen näher, so nah, dass es die Wärme der Flamme spüren konnte und betrachtete das Licht freudig.„Wie kommst du hierher?“, fragte das kleine Mädchen. Die zarte Stimme, die ihm antwortete fühlte das kleine Mädchen in seinem Innern,. Sie schien aus ihm heraus zu sprechen. „

Das weiß ich nicht. Ich weiß nur dass ich irgendwann da war, so wie du jetzt auch da bist“, antwortete die Flamme. „Ich bin das kleine Licht und traurig, weil ich hier so einsam bin.“ Oh, wie bist du schön und so wohlig warm“, sagte das kleine Mädchen. Es erinnerte sich daran, dass seine Eltern gelegentlich „unser Lichtblick“ zu ihm sagten und dies teilte es jetzt dem kleinen Licht mit. Das kleine Licht freute sich dies zu hören. Es war also von einem Lichtblick gefunden worden. Wie konnte es denn auch anders sein?

„Ich habe eine Idee“, sagte das kleine Licht. „Da wir beide nicht alleine von hier weg kommen können, lass uns doch gemeinsam gehen. Du könntest mich in deinen Händen tragen und ich würde dich derweil wärmen und Licht zur Orientierung spenden. Ja!“, rief das kleine Mädchen erfreut. „So machen wir es, aber werde ich mich nicht an dir verbrennen, wenn ich dich in meinen Händen trage?“ „Oh, keine Sorge, das kann ich regulieren“, entgegnete das kleine Licht. „Du musst mich nur sorgfältig tragen und achtsam sein beim Gehen, also nicht zu schnell, weil ich ja noch so zart und klein bin. Ein zu starker Luftzug könnte mich zum Verlöschen bringen…“

Das wollte das kleine Mädchen natürlich nicht, denn es war ja froh mit seinem leuchtenden Weggefährten zusammen zu sein und sich hier im Dunkel der Höhle orientieren zu können. So versprach es gut aufzupassen und das kleine Licht zu schützen, was auch immer geschehen möge. Dabei wusste das kleine Mädchen allerdings noch nicht welche Gefahren auf sie lauerten, denn das kleine Licht war nicht umsonst hier im tiefsten Dunkel eingesperrt worden. Und die Dunkelmächte wollten natürlich nicht, dass ihnen das kleine Licht entkam…

Als das kleine Mädchen nun ganz behutsam das kleine Licht mit seinen Händen umschloss, um es an sich zu nehmen, erscholl plötzlich ein ohrenbetäubender Lärm. Es klang wie ein jammerndes Schreien und wütendes Jaulen als würde man einem wilden Tier etwas wegnehmen wollen. „Halt mich fest, du darfst mich dir nicht entreißen lassen, sonst sind wir beide in dieser Höhle verloren“,flüsterte das kleine Licht. Das kleine Mädchen konnte trotz des grauenhaften Getöses um sie herum, die zarte Stimme des Lichts vernehmen, da sie ja aus seinem Inneren zu ihm sprach. Diese Vertrautheit machte dem kleinen Mädchen Mut und es zog das kleine Licht sorgsam an sich, wenngleich es dabei auch alle seine kindlichen Kräfte aufbieten musste. Es fühlte sich an, als wäre das kleine Licht an einem unsichtbaren, aber äußerst starken Gummiband befestigt. „Komm“, sagte das kleine Mädchen nur und ging ruhig und starken Schrittes los. Es konnte spüren, wie das unsichtbare Band flexibler wurde und der Zug mit weiterem Voranschreiten nachließ, bis er schließlich verschwand.Kerze-dunkel

Das Mädchen hatte ohne nachzudenken eine Richtung eingeschlagen, war einfach losgegangen. Das Wutgebrüll und Schnauben war leiser geworden. Dafür Zischte und Jaulte es jetzt zunehmend stärker werdend. Ein kalter Luftzug verstärkte sich zunehmend, sodass es für das kleine Mädchen den Anschein hatte, sich in den Wind hineinlegen zu müssen, um voran zu kommen. Dabei musste es auch noch die zarte Flamme des kleinen Lichts mit den Händen gänzlich umschließen, damit diese nicht ausgepustet wurde. Währenddessen wurde es natürlich zeitweilig dunkel, doch das kleine Mädchen ließ sich auch dadurch nicht beirren und schritt weiter voran…

„Ich fühle mich so geborgen und behütet“, hörte das kleine Mädchen die Stimme des Lichts in ihm sagen. „Ich wusste gar nicht, was uns hier alles Schreckliche erwartet:“ „Das macht nichts“, antwortete das kleine Mädchen murmelnd. „Wir gehen einfach gemeinsam weiter und kommen sicher auch bald an und außerdem fühlt sich deine Lichtwärme so wohlig schön an, dass ich dich gar nicht mehr loslassen möchte.“ Trotzdem spürte das kleine Mädchen noch weiterhin Furcht in sich, die aber von dem Wohlgefühl überstrahlt wurde.

Kerze-Halbdunkel„Pass auf, jetzt kommen die Schatten“, sagte da plötzlich die Lichtstimme und das kleine Mädchen bemerkte um sich herum alle möglichen düstere Gestalten und schreckliche Kreaturen, welche es bisher noch nie gesehen hatte. Unheimlich still war es geworden, kein Hauch mehr in der Höhle. Deshalb hatte das kleine Mädchen die Hände geöffnet und trug die kleine Lichtflamme auf seinen beiden Handtellern. Es wäre auch gar nicht mehr für die kleinen Kinderhände möglich gewesen, das Licht zu umschließen, denn es war größer geworden und entfaltete sich nun zunehmend mit jedem weiteren Schritt. „Du lässt mich wachsen, gehe weiter und lasse dich von den Schreckensbildern um uns herum nicht beeindrucken“, empfahl die Stimme des Lichts dem kleinen Mädchen…

Mit der zunehmenden Größe der einst kleinen zarten Flamme wurde es auch ständig wärmer, empfand das kleine Mädchen. Es beäugte schaudernd die schreckerregenden Schatten, welche sich um sie herum befanden. Mal schlängelnden sie sich über den Boden, glitten über die Höhlenwände als wollten sie nach ihnen schnappen und mal schienen sie sich von der Decke auf sie stürzen zu wollen. Nicht beeindrucken lassen, hatte die Lichtstimme empfohlen und das tat das kleine Mädchen denn auch, obgleich es ihm beim Betrachten der grauslichen Schattenbilder schwer fiel. „Betrachte sie nicht, schau nur auf mich und den vor uns liegenden Weg“, empfahl ermahnend das Licht. „Sie können dich sonst in die Dunkelheit zurück ziehen. Mit jedem Schritt werde ich größer undKerze-magic-Klein wärmer und bald ist es um uns herum so hell, dass der ganze Spuk verschwunden ist“, meinte das Licht, während das kleine Mädchen den Eindruck hatte, Freude aus der Stimme zu hören…

Die Eltern des kleinen Mädchens hatten mittlerweile den Picknickkorb eingeräumt und sich auf die Suche nach ihrem geliebten Sonnenschein gemacht. Zwar verunsicherte sie das plötzliche Verschwinden ihres Kindes, aber sie waren im Herzen zuversichtlich und wussten zudem, das hier an diesem magischen Ort ihnen kein Leid geschehen konnte.

So spazierten sie im gemächlichen Wanderschritt um die Steingruppen herum, spähten auch in die Felsspalten und riefen gelegentlich mal laut: „Sonnenschein..!“ Die Eltern ahnten, dass sie ihr Kind sicher irgendwo hinter einer der großen Felsformationen wieder treffen würden. Ihr „Sonnenschein“ war ja ein naturverbundenes Kind, welches mit Naturwesen- und Geistern vertraut spielen konnte und sich dabei nicht ängstigte. So folgten die Eltern ihrem inneren Vertrauen und gingen freudig suchend weiter…

Im Innern der Höhle dachte das kleine Mädchen auf einmal an seine Eltern, wie sie sich vielleicht sorgen würden und es jetzt auch sicherlich suchten. „Ich komme heim“, flüsterte es leise und war überrascht, als ihm das Licht darauf antwortete. „Ja natürlich, wir haben uns doch gefunden um gemeinsam nach Hause zu gehen“, bekräftigte das Licht, welches mittlerweile so groß war, dass es den kleinen Mädchenkörper überstrahlte. Es waren keinerlei Schatten mehr zu sehen und die Höhlenwand vor der sie nun standen, schien hell reflektierend zurück zu strahlen. „Schau, da ist der Ausgang, sprach die Lichtstimme nun fast laut singend. Im gleichen Augenblick schien das Mädchen die Stimme seiner Eltern zu vernehmen, die nach ihm riefen… Kerze-Hell„Sonnenschein, wo bist duuu…?“ hörte das kleine Mädchen und antwortete spontan: „Hier mit dem Liiicht…!“ Als nun das kleine Mädchen auf die strahlende Wand zuging spürte es, dass es mit dem Licht auf seinen Händen hindurchgehen konnte. Erstaunt schaute es im Weitergehen auf seine Hände und dann weiter über sie hinweg. Da standen seine Eltern und winkten freudig. Das kleine Mädchen wurde einen Augenblick lang von dem nun großen Licht umstrahlt, als würde es in einer Flamme stehen. Ein Lichtblitz stieg senkrecht in den Himmel. Die Eltern staunten und waren einen kurzen Augenblick überrascht. Dann gingen Sie langsam auf ihr Kind zu, um es in die Arme zu nehmen.

Das Licht auf den Händen des kleinen Mädchens war verschwunden. Dafür strahlte aber mild lächelnd die Sonne vom Himmel, als das kleine Mädchen den Kopf erhob. Frau Sonnenschein zwinkerte dem kleinen Mädchen vergnügt zu, als wolle sie sich bei ihm bedanken und strahlte so freudig, dass dem kleinen Mädchen ganz warm im Herzen wurde. Da wusste das kleine Mädchen, dass es der Sonne einen Lichtstrahl zurückgebracht hatte, der ihr vor unendlich langer Zeit geraubt worden war…Licht-Sonne

„Wir sind wieder vereint. Unser Sonnenschein ist wieder da!“, riefen die Eltern freudig und nahmen das kleine Mädchen in ihre Arme. „Ja“, schluchzte das kleine Mädchen mit immer noch erhobenem Kopf zur Sonne blickend. „Ja, wir sind wieder alle vereint“, und die anfängliche Trauer um den Verlust ihres liebgewonnenen Lichtwesens, wich nun einer tief empfundenen Lebensfreude…

„So geschah es damals und so kann es auch heute immer wieder geschehen, wenn ein Mensch sich seiner Lebensflamme bewusst wird und das innere Licht nach Hause trägt“, hörte ich meinen Wichtelfreund wie aus weiter Ferne sagen. Ich wusste nicht was ich sagen sollte. Ich nickte nur stumm mit dem Kopf, denn die Eindrücke der eWichte-magic-1-Kleinben gehörten Geschichte beschäftigten mich immer noch sehr…„Danke“, sagte ich schließlich nach einer ganzen Weile. „Danke, dass du mir das erzählt hast und wir diese wichtelige Geschichte mit anderen Menschen teilen können…

Es ist erlaubt und ausdrücklich erwünscht die Geschichte zu kopieren und zu teilen (mit Angabe des Urhebers Wichtelpapa Isak)

Wichtelbunte Weihnachtswelt

Gerade hatte ich den Telefonhörer aufgelegt als ich merkte, dass mein Wichtel mich erwartungsvoll mit großen Wichtelaugen anstrahlte. „Gut gemacht“, sagte er und ich erinnerte mich daran, dass er mir keine Ruhe mehr gelassen hatte, seitdem er von der Weihnachtsausstellung erfahren hatte. „Das ist doch wichtelig, da müssen wir mitmachen!“, hatte er mit Nachdruck in seiner Stimme betont. Jetzt hatte er mich beim Telefonieren belauscht und freute sich, als er von der Zusage erfuhr. Nun hatte er also, wie natürlich immer, seinen wichteligen Willen wieder einmal durchgesetzt und das freute ihn. Mich freute es natürlich auch, denn wenn mein Wichtelfreund etwas wichteliges vor hat, kann ich ihm im Grunde genommen keinen Wunsch abschlagen…

Wir blickten uns in die Augen und ich spürte, dass etwas in ihm vorging. Ich kannte Wichtel Helferich ja schon ein paar Jahre und er war auch schon bei verschiedenen Ausstellungen dabei gewesen. „Wie ist das denn für Dich mit dem Weihnachtsfest, das ihr Menschen so liebevoll feiert?“, fragte er.

Ich konnte ihm zunächst nicht antworten, denn ich wusste nicht genau, worauf er hinaus wollte. Wichtel und dazu auch noch mein Wichtelfreund, stellen allerdings niemals einfach nur Fragen, sondern haben damit immer etwas tiefgreifendes im Sinn.

Wichtel Helferich spürte, dass ich zögerte und fügte erklärend hinzu: “Ihr feiert doch allgemein ein christliches Fest, mit Kirchenbesuch, Krippenspiel und der Feier von Christi Geburt. Wie ich aber von meinen artverwandten Wesen erfuhr, war das früher anders. Es wurde zwar ebenso gefeiert, hatte aber nichts mit Weihnachten im kirchlichen Sinne zu tun. Es war irgendwie viel geheimnisvoller und magischer, wenn die Rauhnächte, auch „wilde Jagd“ genannt, begannen. Die Verbindung der Menschen zu den Naturwesen war spür- und erfahrbar. Heute scheinen die meisten Menschen nichts mehr davon zu wissen oder wollen auch gar keinen Kontakt mit uns Naturwesen pflegen. Findest du, dass es euch Menschen damit besser geht?“, fragte mein Wichtel nachsinnend.

Volltreffer“, dachte ich, “jetzt hat er mich aber auf dem falschen Fuß erwischt.“ Etwas beschämt meinte ich: „Nun ja – die Zeiten haben sich halt geändert und in unserer heutigen schnelllebigen Zeit spielt die Elektrotechnik eine wichtige Rolle. Viele Menschen hängen mehr an Computern oder pflegen liebevoll ihre Streichelgläser, ich meine Smartphones. Da bleibt nicht viel Zeit, wenn überhaupt, für einen Wesensaustausch mit Natur- oder Märchenwesen.“ Viele wissen auch gar nicht mehr, dass es euch überhaupt gibt oder zumindest einmal gegeben hat“, sprach ich weiter.

Mit wortloser Trauer saß Wichtel Helferich regungslos da. Er hatte wieder diesen tieftraurigen Augenausdruck, der mir bei unserer ersten Begegnung aufgefallen war. Eine winzige Träne löste sich aus einem Augenwinkel, rann ganz langsam über sein Wichtelantlitz und kullerte weiter über seine bunte Weste. „Was soll ich dazu noch sagen?“, seufzte er wehmütig. „Ich glaube, ihr Menschen seid auch aus eurer Welt gefallen, so wie ich aus meiner“, hörte ich ihn fast nur noch flüstern…

Betroffen und bestürzt über die Reaktion meines Wichtelfreundes konnte ich nur stumm mit dem Kopf nicken. Ja – der Verlust des Kontaktes mit den Naturwesen hatte die Menschen grundlegend verändert. Ich fühlte Trauer in mir und sah in Gedanken die vielen Weihnachts- und Adventsbilder, welche von den Massen-medien und Reklamemachern bunt und hübsch verpackt aufbereitet wurden. Frohe Weihnachten hieß es allerorts und in allen Sprachen, womit aber nur auf Geschäftsgewinn und mehr Umsatz gezielt wurde. Mit Frohsinn und empfundener Fröhlichkeit, wie es der ursprüngliche Brauch war, hatte dies alles nichts mehr zu tun.

Achtsamer Umgang mit all jedem, was gerade in der Zeit des Wandels und des Übergangs vom alten ins neue Jahr früher so wertvoll erschien, hatte seine Bedeutung verloren. Wir feiern die Geburt Jesu und damit wird sich schon der ordnungsgemäße Wandel von alleine vollziehen, scheinen viele Menschen heute zu denken. Schließlich hat man mit der Erfüllung vielerlei Sachzwänge, die sich gerade in der Weihnachtszeit noch verstärkt anhäufen, schon genug zu tun. Kaum hat man dabei wirklich Zeit zu sich zu kommen und wenn, dann wird dieser günstige Augenblick doch lieber genutzt für ein Festtagsessen im Kreise der Lieben. Der Spaß hat die Liebe verdrängt. Aktionismus steht im Vordergrund. Besinnlichkeit ist langweilig geworden, damit kann man scheinbar nicht wirklich etwas anfangen…

Wir blickten uns eine ganze Weile schweigend in die Augen bis Wichtel Helferich fragte, ob ich Lust hätte einer Geschichte zu lauschen, die er von einem Stein-Troll bei den mystischen Helfensteinen erfahren hatte. Begeistert nickte ich in der Erwartung, dass sich unser gemeinsame traurige Stimmung dadurch etwas aufhellen könnte. „Es ist eine Begebenheit aus alter Zeit, einer Zeit in der die Rauhnächte, die man auch Rauchnächte nannte, noch als heilig galten und das Übergangsritual vom Alten zum Neuen andachtsvoll zelebriert wurde. Sie erzählt die Geschichte von einem kleinen Mädchen, welches das eingesperrte Licht fand…

 

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