Echse – Kapitel 4

Frühling zieht ein, in die Natur. Ganz plötzlich erstrahlt alles im wärmenden Sonnenglanz. Es ist ein Tag, als hätte der Himmel die Erde geküsst. Ich gehe über die Wiese, aus der die Kraft der Natur mich förmlich anzuspringen scheint. Halme und Blumenköpfe recken sich, bereit sich dem Licht zu öffnen. Das sanfte Grün, der sich entfaltenden Knospen an den Zweigen, rief mich. Es sind die Birkenfrauen, welche mich magisch anziehen. Wie die „Holden“ einst ihre Geliebten zur geistigen Vermählung riefen, folge ich diesem inneren Ruf, den mir die Birken in ihrem Frühlingsschmuck senden. Wie betört, fast trunken vor wonniger Empfindung, eile ich den beiden Birkenfrauen entgegen, die mir, anmutig weiß gekleidet, ihre grün geschmückten Zweige entgegen recken . . .

Ein flüchtiger Blick aus den Augenwinkeln erfasst die Echse oben am Berg. Majestätisch thront sie da im Sonnenlicht, als würde sie über das sich Entfaltende zu ihren Füßen, gebieten. Ich habe gerade keine Zeit mich vor ihr zu ängstigen, rufen mich doch verheißungsvoll, die beiden Birkenschwestern.

Etwas atemlos wegen des forschen Schritts, stehe ich nun vor ihnen, höre sie säuseln und raunen. Komm Geliebter meines Herzens, scheinen sie wie aus einem Mund zu sprechen. Setz‘ dich zwischen uns, lehne dich an und lass dich, so tönt es, wie aus meiner Seele gesprochen in mir. Wir haben deinen Kummer und deine Sorge vernommen. Über all die kühlen Monde der letzten Monate haben wir deine Angst gespürt. Nun ist die Zeit der Freude und Lebensleichtigkeit gekommen, die wir mit dir teilen wollen. Ihre silbrig-weißen Birkenleiber glänzen anmutig schön in der Morgensonne. Mit einem Seufzer lasse ich mich zu ihren Füßen ins Gras sinken, lehne mich an und lausche.

Wir haben Deine Gespräche mit den Baumfreunden, Zweigesicht und Apfeldrache, vernommen. Wir haben deine Not gespürt, die dich durch deine unbeantworteten Fragen belastet. Komm zur Ruhe bei uns und fühle in dich hinein, vielleicht können wir dir helfen. Oh ja, das wäre wohltuend, sage ich, während die Erinnerung meine Angst vor der Echse wachruft. Was macht die Echse mit dir?, höre ich die Birken fragen. Sie macht mir Angst. Eigent lich macht sie gar nichts schlimmes mit mir. Ich habe nur die Befürchtung, dass etwas Drohendes von ihr ausgeht, und ich nicht weiß, wie ich dem begegnen könnte, sage ich. Ich habe doch erlebt, was dieses Echsenmonster kann, das so scheinbar regungslos in der Landschaft sitzt. Sie kann sich verwandeln. Sie kann Allerorts sein, wenn sie will. Und sie ist sehr lebendig, wenn dies auch für die meisten Menschen nicht den Anschein hat. Am Schlimmsten erscheint es mir ist, dass die Menschen hier in der Region gar nichts von all dem Wissen und es sie auch scheinbar nicht interessiert. So stehe ich allein mit dem Wissen und den Erfahrungen da, fühle mich einsam und verlassen. . .

Wir sind hier bei dir, kommen die tröstenden Worte zurück. Wir und alle Naturwesen wissen darum. Nur erleben wir keine Furcht. Uns ängstigen die Vorgänge in der Natur nicht. Wir sind Ausdruck der Natur, genau so wie du. Genau wie ich?, höre ich mich zweifelnd fragen. Fühle ich etwa Angst und Belastung nur, weil ich mir darum Gedanken mache? Wenn ich dann auch noch versuche, etwas Unerklärliches zu erklären, in dem Glauben, Anderen etwas Bedrohendes aufzeigen zu müssen, dann mache ich mir also nur selber Angst…?

Finde dich in Deiner Kraft, dort kommst du zur Ruhe, säuseln ermunternd die Birken, während ihre Zweige im sanften Windhauch über mich hinweg fächeln. Der mildwürzige Frühlingsduft und die beruhigende Kraft der Birken lassen mich in einen tranceähnlichen Zustand fallen. Ich sehe mich vor meinem geistigen Auge in meiner Kindheit. Dort, auf einer Maiwiese, mit duftenden Himmelsschlüsseln und Wiesenschaumkraut übersät, sitze ich im Gras. Mit diesem verinnerlichten Bild und dem sanften Raunen der Birken, sinke ich in einen leichten Morgenschlummer:

Glänzendes Mondlicht bestrahlt die Echse am Berg wie ein überdimensionaler Scheinwerfer. Mein Blick auf dieses Bild gerichtet, gehe ich federnden Schrittes vorwärts. Ohne zögern finden meine Füße mit sicherem Tritt immer den richtigen Platz, ohne, dass ich hinschauen müsste. Um Steine herum, über Baumwurzeln und abgestorbenes Gehölz, tasten meine Füße sich gemessenen Schrittes voran. Mir ist, als würde ich an einer Leine gezogen, fast schwebend, von dem Felsenmassiv der Helfensteine angezogen. Am Echsenkopf, unterhalb ihrer dickwulstigen Basaltlippen, lehne ich mich in eine Felsmulde. Den Kopf vom Basaltgestein umschlossen, das noch die Tageswärme gespeichert hat, stehe ich da. Ich fühlte mich, als würde ich in den Basaltfelsen eintauchen, ja hineingezogen und gänzlich umschlossen werden, von diesem machtvollen Steingebilde. Ich fühle diese immense kraftvolle, wuchtige und tonnenschwere Masse, welche mich in sich birgt, wie ein Kind im Schoß seiner Mutter. Heimwärts, Ankunft empfinde ich, gestillte tiefgehende Sehnsucht. Ich erinnere mich an den ersten Augenblick der Begegnung mit den Helfensteinen vor einigen Jahren. Tief aus meinem Innern tönte eine erdige Stimme: “Hier gehe ich nicht mehr weg!” Seitdem war ich fasziniert von diesem mystisch anmutenden Ort der Kraft. Nun war ich hier, lebte und arbeitete zu Füßen dieses ehrwürdigen Wesens, das mich jetzt innig umschlungen hält und mir seine ganze Kraft offenbart …

Wie lange dieser erlösende Frühlingstraum gedauert hatte, konnte ich beim Aufwachen nicht einordnen. Eine herabfallende Birkenknospe musste mich an der Nase wachgekitzelt haben. Mit den letzten Traumbildern kam mir der Gedanke in den Sinn. Wie kann ein solches Wesen, solch kraftvolle Ausgeburt von Mutter Erde, etwas Bedrohliches sein? Hier hat sich das Innere der Erde nach Außen gestülpt, geronnenes Erdenblut, erkaltet zu hartem Basalt. Ich musste lächeln wegen der Vorstellung, Angst gehabt zu haben. In meinen Ohren klang noch ein leises Lachen nach, welches die mittlerweile verstummten Birkenfrauen mir geschenkt hatten. Was für ein schöner und kraftvoller Tag dachte ich, während ich mich aufrappelte. Ich hauchte den Birken dankend, jeweils einen zarten Kuss auf den Stamm und machte mich auf den Heimweg. Einen Blick warf ich vorher noch zu der Bergechse, deren sonnenstrahlgetränktes Echsenauge freudig zurückblitzte. Ihre schwarzwulstigen Basaltlippen glänzten zart schimmernd im Sonnenlicht, als hätte sie einen Lippenstift aufgetragen, was ihrem Mund ein sanftes Lächeln verlieh . . .

 

Echse – Kapitel 3

Noch ruht sie, starr, scheinbar reglos nach Süden blickend. Im grauen, kalten Wintermorgen zeichnet sich ihre Struktur aus dem Dunst am Horizont. Die schwarzwulstigen Lippen, dem Himmel zum Kuss dargeboten, bilden einen fast erotisch anmutenden Kontrast zur weißen Schneemütze, welche sie tief über ihre Ohren gezogen zu haben scheint. Grauer Morgen, still, fast unheimlich, wie ein gefrorenes Bild. Baum- und Buschgerippe weisen in verschiedene Richtungen über die schneebedeckten Wiesen und Wege. Noch scheint alles unberührt. Keines Menschen Schritt betrat bisher die Stille und die weiße Decke, welche wie ein weißes Linnen über allem liegt. Nur die vereinzelten Abdrücke einiger Tierboten künden vom Leben in der frostigen Natur.

Ich sitze wohlig warm eingepackt am Fenster und genieße die Winterstimmung. Meine Gedanken versuchen dieses bizarre Steingebilde hoch oben am Waldessaum zu erkunden. Da schiebt sich fast unmerklich eine Dunstwolke, wie aus dem Nichts entstanden, vor das Echsengebilde. Sie will sich vor mir verstecken, weil ich ihr langsam auf die Schliche komme, sage ich mir. Meine Gedanken purzeln mit einmal durcheinander. Was sie jetzt wohl wieder vorhat? Ob sie sich jetzt, unbemerkt und aller Blicke entzogen, verwandelt? Ja, das ist wieder eines ihrer Schabernackspielchen, welches sie in der Dörnbergregion treibt. Sicher ist sie längst weg von ihrem angestammten Platz, zu dem ich immer noch unentwegt hinstarre.

Wahrscheinlich hat sie sich auf und davon gemacht, liegt irgendwo auf einer der Talwiesen auf der Lauer, um einsame Wanderer zu erschrecken…

Was kann ich nur tun, um die Menschen der Region und die Besucher des Naturparks Habichtswald zu warnen? Wie kann ich ihnen die Umtriebe der Echse nahebringen? Was könnte der nächste Schritt sein, dieser Echse vom Elfenberg, ein für alle mal ihr schändliches Handwerk zu legen, sie zu überführen, indem allen Menschen endlich bewusst wird, was da am Elfenberg vor sich geht? Seit Jahrhunderten, nein seit Jahrtausenden neckt dieses, scheinbar in Echsenstarre gefallene Gebilde, die Menschen und alles was sich rund um den Hohen Dörnberg bewegt. Necken ist noch der gelindeste Ausdruck für dieses Reptilverhalten. Angst und Schrecken hat sie sicher früher schon verbreitet. Wer weiß, welche Grausamkeiten die Echse schon begangen haben mag, die dann, in Unkenntnis um ihre wahre Natur und ihres Wirkens, anderen zur Last gelegt wurden. Sicherlich haben, die oft in alten Märchen und Sagen erwähnten schlimmen Dinge, in Wirklichkeit etwas mit dieser, sich vielleicht in alle Wesensarten verwandelnde Echse zu tun. Ja, so musste es sein! Ganz sicher, sagte ich mir in Gedanken.

Da, in diesem Augenblick lösen sich einige Eisblumen an meinem Südwestfenster auf, beginnen langsam zu schmelzen. Roter Hauch überzieht die Dunstschwaden da draußen. Welches Geräusch war das ? Lauert dieser Echsendrache wohl schon vor meinem Fenster, an die Hauswand gelehnt, mich einschüchtern wollend? Bestimmt ist es der heiße Atem dieses Reptils, der die Luft rosig färbt und die Eisblumen am Fenster schmelzen lässt. Oh Gott, was kann ich jetzt noch tun? Welche Chance habe ich, diese Auseinandersetzung mit diesem übermächtigen Echsenwesen zu überstehen….?

Klirrendes Lachen, welches in ein zischelndes Gesäusel übergeht, gefolgt von einem alles durchdringenden Donnerschlag, beendet jäh meinen Gedankenfilm! Erschrocken blicke ich wieder zur Anhöhe auf den Berg. Da thront sie – die Echse, majestätisch wie eh und je. Vom rosigen Dunsthauch der Morgensonne umgeben. Das Echsenauge strahlt und funkelt mich an. Um ihre schwarzwulstigen Basaltlippen scheint ein Lächeln zu spielen, das auf mich irgendwie ermunternd wirkt. Wow – gerade noch mal gut gegangen, denke ich mir . Jetzt erst merke ich wie angespannt ich während meines Kopfkinos dagesessen habe. Ein Haselzweig vor meinem Fenster streift etws Schneelast ab, nickend, als wollte er mir mitteilen, das alles vorbei ist. Ruhe ist eingekehrt und der Morgen wirkt wieder friedlich wie zuvor. Nur wesentlich lebendiger…

Das Licht, ja das alles belebende Sonnenlicht musste es sein. Diese wohlig, lebendige Wärme, die uns seit Menschengedenken umgibt und erfüllt. Behaglichkeit macht sich in mir breit. Oh wie schön empfinde ich diesen Augenblick meines Daseins. Die Echse am Horizont erscheint mir ebenso schön – einfach malerisch. Ich beschließe sie zu malen, ihren winterlichen Ausdruck festzuhalten, um diese Morgenstimmung mit anderen Menschen teilen zu können…

 

 

 

Die Echse . . . Kapitel 2

In der endlos erscheinenden, fast schlaflosen Nacht, wälze ich mich im Bett. Der Vollmond äugt durchs Fenster, als wolle er erkunden, was ich mache. Die Gedanken über das Zwiegespräch mit der Echse vom Elfenberg beschäftigen mich, seit unserer wundersamen Begegnung. Ob der Mond mich beobachtet, wohl im Dienst der Echse mich auskundschaftet? Der Echse ist alles zuzutrauen. Auch dass Sie Macht über den Mond haben könnte oder zumindest zeitweilig. Vielleicht haben Sie auch eine Allianz geschlossen, meine Absicht die Menschen aufzurütteln und aufzuzeigen, was auf geheimnisvolle Weise hier in der Region tatsächlich geschieht, zu vereiteln. In meinen Wachtäumen fühle ich noch das Erstarren in mir, welches die Echse durch ihren lebendigen Anblick, ausgelöst hatte. Ihr hämisches Lachen, Zischeln und Kichern wirkt noch in mir nach. Würde ich wohl Macht ihrer Laune.- in Echsenstarre verfallen – wenn sie es darauf anlegte, frage ich mich zum wiederholten Male und verfalle in einen traumlosen Schlaf.

Morgendämmerung dringt durchs Fenster, weckt mich jäh, meine Erinnerungen wachrufend. Die Echse… – ich muss sie fragen die Naturwesen, hinausgehen und erkunden ob ich Verbündete gewinnen kann.

So scheinbar aussichtslos wie mir das Unterfangen erscheint, eine Auseinandersetzung mit der Echse lebend überstehen zu können, mache ich mich dennoch auf den Weg.

Zweigesicht! Baumfreund und Wächter des Wiesentals“, rufe ich in den dämmernden Morgen. Über Grasbüschel und Maulwurfshügel stolpernd eile ich zu ihm. Sein Lachgesicht scheint sich bei meinem Anblick köstlich zu amüsieren, während das Stummgesicht mich ernsthaft anblickt. „Du wirkst sehr aufgeregt. Was hast Du“, fragt mich das uralte weise Baumwesen. „Die Echse, da vom Berg“, stammele ich. „Ich muss etwas über sie erfahren. Kannst du mir helfen?“ Schweigen breitet sich aus, eine fast unerträgliche Stille, die nur einen Augenblick und doch so unendlich lang anhält. Zweigesichts Zweige säuseln im lauen Morgenwind, während der Antwort.

Ich habe seit ich hier bin, schon mehrere Menschengenerationen aufwachsen und auch wieder vergehen sehen. Dennoch bin ich als Teil des stehenden Volkes, wie wir Baumwesen von der Natur benannt werden, ein Baby im Vergleich zu den Mineralwesen. Die Echse, erstarrter Basalt, geronnenes Erdenblut, ist und bleibt auch für mich ein großes Geheimnis, das zu lüften ich nicht imstande bin.

Zu alt ist sie. Sie war schon da, bevor es Lebewesen wie mich und dich gab. Was ihre gelegentlichen Umtriebe anbetrifft, ist sie zudem noch eine jener Ausnahmen, die wohl als ewiges Geheimnis betrachtet werden können. Die Äste meines Baumfreundes ächzten von einer plötzlichen Windbö gepackt jä auf, um sich mit einem fächelnden Seufzer wieder zu beruhigen. Stille umgab mich.

Das anhaltende Schweigen deutete mir das Ende unseres Zwiegesprächs an. Verzweifelt und etwas enttäuscht stolperte ich weiter über die Wiese, nur etwas langsamer. Wie und wo konnte ich denn jemanden oder etwas finden, was mir Aufschluss geben konnte?

Im Blinzeln der aufgehenden Morgensonne leuchtete mir ein gelbrotes Auge meines geliebten Baumdrachens entgegen. Bedächtig wiegte der Baumdrache seine Zweige, während mir seine sonnengetränkten Apfelaugen erwartungsvoll entgegenfunkelten. „Was lässt dich an deinem Menschenmorgen so aufgeregt in die Welt stolpern?“ flüsterte er mir entgegen. „Die Echse, die da droben am Berg“, sagte ich keuchend atmend und erzählte, was mir Zweigesicht mitgeteilt hatte. Andachtsvoll stellten und legten sich die Blätter meines Baumdrachenfreundes in den Zweigen.

Leise schüttelnd warf er mir einen seiner Augäpfeln vor die Füße, während mich seine anderen Apfelaugen durchdringend glitzernd in der Morgensonne, ansahen.

Schau wie jung ich im Vergleich zu Zweigesicht bin. Eine zufriedenstellende Antwort kann ich dir nicht mit auf den Weg geben. Nimm meinen Apfel als Geschenk des Tages. Setze dich hier am Wegesrand, an meinen Stamm gelehnt, wie es die Wanderer gerne tun hin und geniesse ein Apfelfrühstück in der Morgensonne. Dies gibt dir Kraft für den Tag und Lebensfreude dazu. Du wirst die Süße des Lebens schmecken können, wenn du bedächtig kaust“, meinte Baumdrache lächelnd. Das tat ich denn auch, denn ich fühlte tatsächlich Hunger. Bei der genussvollen Apfelmahlzeit unter dem sanft raschelnden Blätterdach wurde mir augenblicklich wohler. Ich spürte die Lebenswärme in mir und die Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Zufriedenheit stellte sich ein und fast hätte ich die Echse vergessen, wenn sie sich nicht nicht, sonnenbeschienen am blauen Morgenhimmel, gezeigt hätte.

Ja, da war sie wieder, wie eh und je. Eigentlich sollte ich mich doch mittlerweile an ihren Anblick gewöhnt haben, dachte ich. Tagtäglich schaute ich durch mein Fenster zu ihr, wenn ich auf die malerischen (H)Elfensteine blickte. Ich fühlte wieder welche Magie von diesem Basaltsteinwunderwerk ausging. Hatte mir da nicht gerade ein Echsenauge in der Morgensonne zugezwinkert?

Ich musste Lächeln. Natürlich trieb sie, die Echse ihren Schabernack mit mir. War ich doch durch meine Aufmerksamkeit und Hinwendung ihr gegenüber, zu einem geradezu bereitwilligen Opfer geworden….. So weit – so gut, dachte ich heimwärtsgehend. Aber irgendwie werde ich schon noch mehr erfahren und sicherlich auch irgendwann dahinterkommen, was es mit diesem geheimnisvollen Echsenwesen auf sich hat…

Die Echse vom Elfenberg

Wie ein Torwächter sitzt sie, gen Süden blickend, ein Auge auf den hohen Dörnberg gerichtet, das andere in die weite Ferne, über Kassel hinweg Berge und Täler betrachtend. Scheinbar erstarrt, Geologen sprechen von Basaltklumpen – als ehemalige Schlote – mit dem Erdinnern verbunden. So kennen sie die Menschen der Region, die von nah und fern kommend, die mystisch anmutenden (H)Elfensteine aufsuchen. Viele Besucher wissen von den sagenumwobenen Geheimnissen des alten keltischen Kultorts nichts oder nur wenig. Sie kommen, weil sie sich irgendwie angezogen fühlen von diesem magischen Ort, einfach um zu entspannen, die Natur zu genießen und die Gegend durchwandernd zu erkunden. Manche kommen gezielt zu diesem Ort und wählen bestimmte Kraftplätze für ihre Rituale, sei es – um sich nur in Stille meditativ zu verbinden oder singend, trommelnd, flötend von dem überragenden Platz, in die Welt zu tönen.

Die Echse scheint das nicht zu interessieren. Sie ist so alt, hat schon so viele Menschengenerationen erlebt, kommen und gehen sehen… Sonderbarerweise scheint sich aber doch irgend etwas lebendiges, wandelbares in ihrem nach außen versteinert wirkenden Wesen zu befinden. Denn je nach Tageszeit, Sonnenlicht und Perspektive, kann der Betrachter eine vielfältige Verwandlung erkennen. Dies gelingt aber nur denjenigen, die einen Blick für die Anderswelt, jenen innewohnenden Bereich der Imagination und Zauberkraft, kultiviert haben oder sich zumindest zeitweilig von der oberflächlich, fokussierenden Betrachtung befreien können.

Einige Einheimische haben vom Dörnberg kommend schon erlebt, wie sich dieses Echsengebilde in eine Sphinx verwandelte, welche nordöstlich über Kassel und die umliegenden Gemeinden über Täler und Höhen, in die weite Ferne zu blicken scheint. Da dies für die Menschen der häufigste Anblick ist, hat man diese Basaltformation der Helfensteine, Sphinx genannt. Nur wenige Auserwählte wissen, dass dieses sich in Echsenstarre befindliche Gebilde ein Relikt aus alter reptiloider Zeit ist. Ein Feuerdrache, der sich hier vergraben hat, scheinbar reglos und starr, versteinert. Ich glaube, dass bis jetzt kaum jemand bemerkte, wie und wann dieses Reptil sich aus seiner Erstarrung löst und lebendig wird. Das ist eben jenes große und tiefgründige Geheimnis, welches wohl so alt ist, wie die Menschheit selbst oder gar noch viel, viel älter…

Das Echsenmaul mit seinen dickwülstigen Lippen, wirkt schon sehr beeindruckend vor allem, wenn bei Mondlicht oder nebelhafter Umwölkung, die Szenerie von zischenden, rasselnden schwer-atmenden Geräuschen begleitet wird. Immer oder zumindest meistens, wenn den Dörnberg dicke Nebelschwaden umwallen, entzieht sich der Anblick der Helfensteine dem menschlichen Auge. Die Echse gebietet mit ihrer Macht den Nebelgeistern, welche dann auf ihr Geheiß dafür sorgen, dass die Echse mal wieder unbeobachtet einen Ausflug unternehmen kann. Sie ist dann, wie auch meistens nachts, und vor allem in den finsteren Neumondnächten, in der Region unterwegs und treibt ihren Schabernack mit Alljedem.

Während ihrer Abwesenheit erscheint, illussionär für das menschliche Auge, so etwas wie ein virtueller Platzhalter an ihrem angestammten Platz an den Helfensteinen. Als ich der Echse bei einem ihrer Ausflüge des Nachts begegnete fragte ich sie, wie sie es denn mache, dass der Eindruck entstünde, sie wäre nach wie vor fest an dem Ort der Helfensteine verankert, wo ich sie doch hier im freien Gelände, einige Kilometer weit entfernt von ihrem eigentlichen Platz anträfe. Die Echse lachte nur hämisch und zischelte in ihrem typischen Echsenjargon: Ihr Menschen seid einfach zu dumm die Wirklichkeit der Dinge und Wesen zu begreifen. Geh‘ nur hin und erzähle deinen Artgenossen was du gerade erlebt hast. Sie werden dir niemals glauben.“ Mit diesen Worten, die tief in meinem Innern widerhallten wie ein sich wiederholendes Echo, löste sich die Echse vor meinen Augen auf… Ein leiser werdendes Kichern, Knarren und Rasseln begleitete ihr Verschwinden…

Die Echse von . . .

Also jetzt hat Isak wieder nal die schöne Landschaft verunglimpft… Damit spiele ich auf seine fototechnischen Spielereien an, mit denen er nach allen möglichen und  unmöglichen Regeln der Fotokunst, die malerischen Helfensteine am Dörnberg verunstaltet.

Na ja, zugegeben – er meint’s ja gut, wenn er mit seinem märchenhaften Blick für die Anderswelt versucht, deDCIM100MEDIAn mystisch-magischen Ausdruck der (H)Elfensteine noch mehr hervor-zuheben. Ich begleite ihn ja auch bei seinen Touren und berate ihn schon mal gelegentlich. Isak meint, dass noch ganz viele Menschen, welche den hohen Dörnberg besuchen, dennoch nicht wirklich das Wesen der magischen Steine erfahren haben. Zu sehr sind wohl die meisten mit ihrem fokussierten Blick und ihren festgelegten Gedankenmustern beschäftigt, als dass sie sich dem Wesen der Natur ganz öffnen könnten…

„Die Natur verbirgt Gott“, erfuhren Isak und ich einmal bei einer Begegnung, von einem wahrlich weisen Menschen. Augenzwinkernd fügte dieser noch hinzu: „Aber nur, wenn der Mensch sich dafür öffnet kann er dies erkennen.“ So erfahren Isak und ich auch immer wieder, dass oft die alteingesessenen Anwohner  gerne beharrlich an ihren alten Vorstellungen und Bildern aus der Vergangenheit festhalten. So wird immer wieder das Bild vom schlafenden Riesen am Dörnberg hervorgekramt, wie die (H)Elfensteine im Volksmund seit jeher benannt sind.

Isak und ich haben auf vielerlei Touren und Wanderungen um und am Dörnberg, die „altehrwürdigen Steine“ aus allen möglichen Perspektiven betrachten und erkunden können. So fiel uns auf, das nichts, aber auch gar nichts festgelegt ist, was den mystisch-magischen Ausdruck der (H)Elfensteine betrifft. Den „schlafenden Riesen“ kann man natürlich von verschiedenen Blickpunkten aus deutlich erkennen. Doch auch da bieten sich schon vielerlei Interpretationen an. Einige Betrachter sehen den Kopf des Riesen dort, wo andere die Füße sehen. Wiederum einige sehen zwei Riesen, die mit den Fußsohlen aneinander, sich gegenüberliegen.

Eine, vielleicht zeitgemäße Ergänzung, war die Aussage der bekannten Märchenerzählerin Kirsten Stein, die das hfst-riese-mag2märchenhafte Ambiente des Dörnberg sehr gut kennt und mit ihrer Fangemeinde des öfteren dort unterwegs ist. „Ich sehe eine schlafende Riesin“, schrieb sie einst auf Facebook, als Kommentar auf Isaks Hinweis, zurück…

Um die (h)elfensteinische Verwirrung noch ein wenig auszuweiten, hat Isak nun nach seiner Malerei der „Helfensteiner Impressionen“, den Pinsel mit den Tasten getauscht und bearbeitet einige ausgewählte Fotos. Blogbesucher haben hier ja schon die eine oder andere Kostprobe davon erhalten können. So zum Beispiel das mediterran aufbereitete Foto der „Sphinx“, dem bekannten Steingesicht, welches man vom Dörnberg kommend, gut erkennen kann.

Wie sich dieses Gebilde von unserem Fensterblick aus wandelt, ist als Beitragsbild hier deutlich zu sehen. Isak hat den Begriff „Echse“ gewählt und darüber auchklein_echse-7-mag-2 in seinem Buch „DörnbergGeschichten“ ein Kapitel gewidmet. Es ist seine Homage an die Steine, mit denen er schon so viel erlebt hat, seit er hier in der Region als Wichtelpapa ansässig wurde. Und ich, Wichtel Helferich vom Helfenstein, freue mich natürlich besonders. Denn nur so konnten wir uns vor einigen Jahren an den (H)Elfensteinen treffen und seitdem in inniger Freundschaft zusammen leben…

Wicht-Signat-Klein

… hier noch ein ganz wichteliger Hinweis… Die Vorlagen für diese Fotos stammen aus der Blende einer bezaubernden Grafikdesignerin: http://www.fotokomplizin.de/    

grafik-gestaltung.de

Kunst & Kultur im Yogahaus…

 Jetzt muss ich doch Wicht-Schaukelmal die Zügel etwas straffer in die Hand nehmen, bevor Isak wieder alles verpennt! Nicht nur, dass er schon wochenlang auf der faulen Haut gelegen (war wohl ins Sommerloch gefallen) und wie Ihr erkennen könnt, auch nichtFly-Kunst-Kultur_Yogahs eine einzige Silbe hier im Blog geschrieben hat, muste ich völlig allein auf mich gestellt malochen…

Also der Flyer für das kommende Event ist fertiggestellt und im Druck. Ihr könnt Euch schon mal einlesen wann’s losgeht und wo. Wenigstens hat sich Isak bereit erklärt ein paar von seinen skurrilen Alltagsgeschichten, die er jetzt schreibt, zum Besten zu geben. Wird sicher interessant und ist eine gute Gelegenheit mal wieder zu lachen.  Damit Ihr Euch Isaks Geschichten nicht so trocken runterwürgen müsst gibt’s auch ein Gläschen Sekt dazu. Ein bisschen was zum Knabbern liegt auch bereit.Fly-Kunst-Kultur-Yogahs-Rücks

Seit Isak sich so sehr mit dem skurrilen Alltag und dem anderer Leute beschäftigt, fühle ich mich manchmal schon vernachlässigt.

Seit unserer Wichtelgespräche  hat er nichts mehr über mich geschrieben, außer dass er mal ab und zu ein paar Worte mit mir wechselt. Ich komme mir langsam vor wie eine vernachlässigte Ehefrau, wie man das so in Eurer menschlichen Betrachtungsweise ausdrücken würde. Aber so ein Wichtel wie ich hat auch seine Bedürfnisse und möchte wenigstens ein klein wenig Zuwendung und ab und zu auch mal gewürdigt werden. Noch habe ich ja Hoffnung, dass Isak sich wieder einkriegt…

So – nachdem ich ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert und Euch mein Herz ausgeschüttet habe, dürft Ihr Euch mit mir auf’s YOGAHAUS-Ahnatal freuen.

Wicht-Signat-Klein

Frühlingsauferstehung…

„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche“. . .  Jetzt, nachdem das Oster(Un)wetter vorbei ist und der Frühling sich so langsam in die Natur schleicht, können die Frühlingsgefühle kommen. Die Sonne strahlt derweil mild lächelnd am Himmel (wenigstens zeitweise) und sendet schon warme Strahlen. Da muss sich doch das Gemüt erhellen und die Lebensfreude wieder zunehmen.

Nicht dass ich ein besonders trauriger oder depressiver Mensch wäre und mein Wichtelfreund schon garnicht. Dennoch lässt die Frühlingsstimmung in uns etwas wachsen, was nach draußen drängt, sich offenbaren wollend. Scheinbar ist, wenn auch mit etwas Verzögerung, die frohe Osterbotschaft in uns angekommen. Freude macht sich breit und mit jeder neuen Blüte und all den Blumen, die gerade so mannigfaltig aus dem Erdboden schießen, verstärkt sich diese Empfindung.Frühl-Blum-Wicht1

Etwas friedvolles liegt im Ausdruck der Natur, welche sich üppig zeigt und Wichtel Helferich, wie auch mich, tief im Innern berührt und befriedet. Obwohl in vielerlei Ländern auf unserer Erde Krieg, Schrecken und unsagbares Leid herrscht und das Mitgefühl Aller diesbezüglich enorm strapaziert wird. Dennoch wird dieser Augenblick der Freude durch das Betrachten der Naturentfaltung mit all ihrer Blütenpracht, nicht gemindert.

Mein Wichtel hat mir augenzwinkernd versichert, dass dies keineswegs ein Ausdruck von gefühlsmäßiger Abstumpfung sei, sondern einfach kindlich empfundene Lebensfreude. Wie Kinder, die über die bunte Blumenwiese rennen, kraftvoll in die Welt lachend ihre Lebenskraft ausdrücken und sich vor Freude nicht mehr einkriegen wollen. NaturwFrühl-Kateresen wie Elfen, Wichtel, Kobolde und Trolle kennen keinen anderen Zustand versicherte mir mein Wichtelfreund. Nur wir Menschen würden unter uns selbst leiden, meinte er verschmitzt lächelnd.  Und das Ganze käme nur daher, weil sich die Menschen von der Natur getrennt hätten, oder zumindest sähen…

Das musste ich mir erst mal auf der Zunge zergehen lassen. Was bin ich also nur für ein doofer Spezi einer solch begnadeten Rasse, die sich mit ihrem Verhaltensmuster selbst in Bedrängnis bringt. Und das auch noch in vielerlei Hinsicht. Ob in Politik, Wirtschaft, Religion und gesellschaftlichem Umgang, scheinen alle mit einem Entfremdungs-Virus contaminiert zu sein, der zunehmend alle natürlichen Funktionen und Reaktionen des Menschen unterbindet… „Wie konnte das geschehen und wie konnte das nur so weit kommen?“, frage ich mich betroffen. Mein Wichtel Helferich vom Helfenstein, Freund, Gönner und treuer Lebensbegleiter tröstet mich wieder einmal. „Du musst dich nicht sorgen und schon gar keine Schuldgefühle kultivieren“, meint er. „Bleibe einfach in deinem Selbstvertrauen und in deiner Lebensfreude, damit bist du in einem liebenden und natürlichen Zustand.“

Frühl-Wicht-3Wie gut es tut solch tröstende Worte zu hören und zu wissen, so einen Freund an seiner Seite zu haben, denke ich. Ich erinnere mich an den wichteligen Auftrag, den mein Wichtelfreund mit in unsere Welt brachte. Er wollte die Menschen anregen sich wieder mit der Natur zu verbinden, sie zu ehren, hegen und zu pflegen. Dazu brachte er doch die Botschaft aus dem Wichtelland mit, welche er mit meiner Unterstützung  überall verkünden wollte…     Hört noch einmal her:

Lasst sie leben und aufersteh’n, die Welt der Sagen, der Märchen und Feen. Und bedenket immer, ihr lieben Leute – wenn ihr uns nicht vergessen habt, dann leben wir auch heute..!

Mit diesem wichteligen Aufruf, der meiner Meinung nach genau in diese Zeit der Erneuerung, der Frühlingsauferstehung passt, wünschen Wichtel Helferich vom Helfenstein und ich Euch eine ebensolch kraftvolle Lebensentfaltung wie die Natur sie derzeit bietet…

Wicht-Signat-Klein

W-Pap-Isak-Sign-Klein

Der Pfeil zum Lebensweg

„Herrlich, das passt ja wieder mal zu dir Isak. Mit diesen Worten weckst du auch etwas in den Herzen deiner Zuhörer und Leser“, sprach Wichtel Helferich mit überzeugendem Ausdruck in seiner Stimme. „Auch dein Frohsinn steckt andere an, wenn sie dir zuhören.“ Schmunzelnd antwortete ich: „Ja, genau das möchte ich auch bewirken und du lieber Wichtel hilfst mir dabei.“ „Natürlich mache ich das, aber…“, er hielt etwas inne: „aber erst muss ich noch den Schluss erfahren!“ „Aber gerne, sicher mein Lieber“, entgegnete ich wohlwollend und redete weiter…

Der Pfeil zum Lebensweg

Und wie Prinz Anmut noch über all die seltsamen Dinge nachdachte, die ihm bisher begegnet waren und noch jetzt begegneten, erblickte er am Wegrand, halb von Gras überdeckt, etwas gelb leuchtendes. Im Näher kommen erkannte der Prinz einen gelben steinernen Pfeil, der die Wegrichtung wies.

„Das ist die symbolische Bestätigung“, glaubte er aus seinem Innern zu wissen. „Der Pfeil für alle Lebenswege“, erkannte der Prinz, während er ihn hin und her drehte. Prinz Anmut spürte, dass es ihn irgendwie immer in die jeweilige Richtung der Pfeilspitze zog, egal wohin er den Pfeil wendete.

„Nun denn..“, sagte der Prinz zu sich mit dem steinernen Pfeil in der Faust, während er freudig auf sein wartendes Pferd hopste. Dieses wieherte vergnügt auf und trabte ebenso lebensfroh wie der Prinz weiter auf dem Weg zurück in die Welt. Gut gelaunt über all die schicksalhaften Fügungen und die reichlichen Geschenke, welche er erhalten hatte, summte Prinz Anmut ein Lied. Sein Pferd schlug mit seinen Hufen im Reiten den Takt und wieherte gelegentlich. Mal leiser, mal lauter, wie es gerade zu dem Lied des Prinzen passte. Prinz Anmut wusste, dass er keinerlei Abenteuer mehr bestehen musste. Dank seines „Pfeils für alle Lebenswege“ wusste er intuitiv von nun an immer, welche Richtung er nehmen musste, um dort irgendwo, wo er sein wollte, anzukommen….Knight riding towards the sunset sky dragon

Wichtel Helferich sann ebenso wie ich noch eine ganze Weile über das bisher Erlebte nach. Es war, als hätten wir all das durchgestanden, was wir über den Recken vom Zauberberg erfahren hatten. Irgendwie schien es uns, als hätte sich auch in uns eine Wandlung vollzogen. Es war zwar noch nicht klar wie oder was es war. Auf jeden Fall waren wir uns darüber einig, dass wir uns ganz tKerzenWichte-magic-horzief aus unserem Innern heraus wohlfühlten und das wir alles tun wollten, um diesen Zustand so lange wie möglich beizubehalten…

Eine andere Wirklichkeit…

Kaum hatte Prinz Anmut die Wegbiegung passiert, war irgendwie alles anders geworden. Aller Zauber, alle bisherigeWeg-Alpenpfadn Eindrücke waren plötzlich am Verblassen. Der Prinz wandte sich um und konnte auch keine Helfensteine mehr sehen. „Unglaublich“, entfuhr es ihm. „Aus den Augen, aus dem Sinn“, murmelte er. Der Prinz wunderte sich, wie all das, was er mit solch einer kraftvollen Intensität wahrgenommen hatte, fast verschwand, sobald er es nicht mehr vor Augen hatte.

„Ob es anderen Menschen manchmal auch so ergeht“, fragte sich der Prinz? Da, wie zur Erinnerung an das vorherige Geschehen mit all seinen zauberhaften Empfindungen, lag ein etwa faustgroßes steinernes Herz vor ihm auf dem Weg. Der Prinz stieg von seinem Ross und beschloss hier eine kleine Rast einzulegen, bevor er seinen Weg zurück in die Welt, aus der er gekommen war, antrat.

Das Steinherz war eine Mischung aus Basalt und Tonschiefer, vielleicht auch Muschelkalk, wie die Beschaffenheit des Weges hier in der Gegend. Es passte, wie dafür angefertigt, exakt in die Mulde seines verbeulten, ausgedienten Kampfschildes, dort wo sich einst der Zauberkristall befand. Ein kurzer Fausthieb und das Steinherz war eingepasst, so als sei es von einem Schilderschmied dort eingeschweißt worden. Ein dumpfes, herzschlagartiges Plopp war beim Einschlagen des Steinherzens ertönt. Es klang fast, als wolle es wieder zu schlagen beginnen, wie ein lebendiges Herz im Körper. Da wusste der Prinz, dass er mit diesem Akt irgend etwas erlöst hatte, was in diesem steinernen Herzen gesteckt hatte.

Mit dieser Erkenntnis spürte er sein eigenes Herz pochend und so wohlig warm, und der Prinz gewann den Eindruck, als würde diese Wärme, über seine Hände aus seinem Körper hinaus strahlen. Gleichsam glaubte er das Steinherz auf seinem Schild gelegentlich aufzucken und pulsieren zu sehen. Jetzt wurde dem Prinzen die Botschaft seines weiteren Wirkens in der Welt bewusst. Mit seiner Erfahrung und seinem Frohsinn sollte er die Lebensfreude der anderen Menschen wecken und mit seinem ihm innewohnenden Strahlen ihre Lebensflamme anzünden. So würde auch deren Herz wieder zu neuem, bewussten Leben erweckt…

„Herrlich, das passt ja wieder mal zu dir Isak. Mit diesen Worten weckst du auch etwas in den Herzen deiner Zuhörer und Leser“, sprach Wichtel Helferich mit überzeugendem Ausdruck in seiner Stimme…

Der Abschied -2-

Da funkelte den Prinzen noch ein entfernt glänzendes Auge des im Dunst liegenden Baumdrachens an. Prinz Anmut lachte: „Fast hätte ich dich vergessen“, rief er in die Ferne und sah, wie der Baumdrache ebenfalls lachend über die scheinbar witzige Bemerkung sein Baumdrachengesicht schüttelte.

„Wir werden immer Eins sein und es von nun an bleiben“, dröhnte die erdige Stimme des Zauberzwergs zu dem Prinzen hinüber, gefolgt von der glockenreinen helltönenden Stimme seiner Glücksfee. „Hinter der Wegbiegung am Waldessaum findest du ein versteinertes Herz. Du sollst es mitnehmen zur Erinnerung und anstelle deines Zauberkristalls an deinem ausgedienten Schild befestigen,“ hörte der Prinz noch die immer leiser werdende Stimme tönen….

Er wandte seinen Blick nach links und warf noch einmal einen bewundernden Blick auf die aus dem Dunstschleier auftauchenden Helfensteine. Glückseeliger Schauer überkam ihn. „Bis bald“, rief der Prinz und erstaunlicherweise antworteten ihm die Steine mit einem nachhallenden Echo, oder war es vielleicht der Riese gewesen? „Daaankeee..“, rief der Prinz und ritt mit der Zunge schnalzend an. Vor ihm lag eine Wegbiegung von Bäumen umsäumt.

„Das ist aber eine schöne Abschiedsgeschichte“, rief Wichtel Helferich begeistert. Seine Augen glänzten vor Freude, als hätte er sich gerade von seinen Freunden verabschiedet. Jetzt fehlte ihm nur noch die Elfenkrone und er wäre Prinz Anmut, dachte ich. Dabei fiel mir auf, dass seine Wichtelmütze ja auch einen kronenartigen Ausdruck hatte, da sie oben offen und gezackt war. Also dachte ich, war sie eine Wichtelkrone für mich. Als ich Helferich meine Überlegungen mitteilte, lachte er freudig. „Ja – ich trage die Krone vom Wichtelland!“, rief er begeistert. „Und jetzt bitte weiter erzählen, damit ich alles erfahren kann, was du mit deinem Recken erlebt hast“, fügte er hinzu…

DCIM100MEDIA

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