Der Recke erwacht

„Heissa! Das war ja was…“, rief mein Wichtel mit geröteten Wangen und glänzenden Augen, als hätte er gerade den Drachen besiegt… „Hoffentlich ist dem Recken aber nichts Schlimmes passiert.“ Ich schaute meinen Wichtelfreund an, der dasaß, als müsste er jederzeit noch in das Kampfgeschehen eingreifen. Sogar seine Wichtelmütze war verrutscht und seine grauen Rasterlocken mit den kleinen Schellen zitterten, wobei sie leise klingend tönten. „Keine Sorge, der Kampf ist ja vorbei“, antwortete ich. „Du kannst dich entspannt zurücklehnen und im nächsten Kapitel erfahren, was nach diesem atemberaubenden Kampfereignis geschah.

Dann müssen wir beide aber noch ein paar Besorgungen machen. Ich würde mich freuen, wenn du mitkommst“, sprach ich weiter. Wichtel Helferich liebte es, mit mir einzukaufen. Außerdem wusste er, dass uns mein Sohn mit seiner kleinen neugeborenen Tochter besuchen wollte. Da Wichtel Kinder überaus gerne mögen, war er ganz erpicht darauf das neue Weltenkind zu sehen.                                                               „Oh ja Isak, das gefällt mir. Erst erzählst du mir noch wie es dem Recken nach seinem anstrengenden Kampf erging und dann begleite ich Dich…

Plink….., Plonk…., Rumpel, hop – pop, Stille… Ssssst, mmmhh…. summte die Hummel dem Recken ins Ohr. Sie war auf Geheiß seiner Glücksfee unter den Schild des Recken gekrabbelt, um ihn zu wecken. Ganz langsam und gemächlich reckte sich der Recke, seinen Schild beiseite schiebend, während er die Augen aufschlug.                                                                                           Gleißendes Sonnenlicht überflutete ihn, strahlte über ihn hinweg in die Welt. Ein kleiner Vogel lies sich zwitschernd auf des Recken Schild nieder, beäugte ihn neugierig und stupste seinen kleinen Schnabel wetzend auf den ziemlich verbeulten Schild. „Plink, plink, plonk“, klang es dem Recken ins Ohr, und er erinnerte sich, das Geräusch schon einmal gehört zu haben. Der Zauberkristall, welcher inmitten des Reckens Schild funkelte und diesen bisher beschützt hatte, war herausgebrochen. Völlig schadlos, so als wollte er sich von dem verbeulten Schild verabschieden, lag er neben diesem. Er erstrahlte im Sonnenlicht in allen Regenbogenfarben.                                                „Ein erhebendes Schauspiel“, dachte der Recke, während er sich erhob.“Ich habe vor einem Altar geschlafen“, rief er erstaunt aus. Der Recke blickte die Basaltstufen empor und erkannte die Mondschale, die ihn vor Beginn seines Kampfes so beeindruckt hatte. Er ging um den großen Basaltblock herum und erkannte, dass dieser opferschalenartige Stein nun zur Sonnenwiege geworden war. Verzaubert stand der Recke da und bestaunte all die markanten Steingebilde um sich Sonnenwiege-Prägherum.

Dass hier am Vorabend ein Kampf stattgefunden haben sollte, hier bei den sagenhaften Helfensteinen, das konnte sich der Recke, angesichts dieser zauberhaften Idylle überhaupt nicht mehr vorstellen. Und doch musste es so gewesen sein, sonst wäre der Schild nicht so verbeult und der Kristall heraus gefallen. Des Recken Schwert steckte noch immer in einer Felsspalte, übersäht von Scharten und Wellen, so dass es eher einem Sägeblatt glich als einem ehemals edlen Schwert. Er wollte es langsam und behutsam aus dem Fels ziehen, was ihm aber nicht gelang. Mehrmals musste der Recke ansetzen, mit aller Kraft mit beiden Armen ziehend, während er sich mit den Füßen am Felsen abstützte. Der Recke kam sichtlich ins Schwitzen und war verwundert darüber, mit welcher Wucht er wohl im Kampfrausch zugestoßen haben musste, dass er nun unfähig war, die Klinge aus dem Steingebilde heraus zu lösen.

„Oh bitte..“, murmelte er nur kopfschüttelnd. Kaum gedacht, löste sich die Spitze so plötzlich aus dem Stein, dass der Recke samt seinem Schwert rücklings umfiel und vor dem majestätisch ehobenen Steingebilde eine ziemlich klägliche Figur abgab. Das leise kichernde: „Ho, ho, hoo“, hatte der Recke vernommen. Kam es doch irgendwie knarrend, lachend aus dem Stein und gleichwohl auch aus seinem Innern.                                                   „Sieht jetzt aus wie eine Flamme des ehernen Feuers“, seufzte der Recke sein Schwert betrachtend. „Na ja, auch das hat wohl ausgedient.“ Er erinnerte sich jetzt an seine Lanze mit der güldenen Spitze. „Wo mag die nur stecken?“ Wie der Recke, ein wenig beschämt über sein ehemals kämpferisches Vorhaben, nun von Stein zu Stein ging und jedes Steinwesen um den Verbleib seiner Lanze befragte, bekam er keine Antwort. Majestätisch und stumm glitzerten sie ihn nur in der hellen MorgensonSteinkopf-rundne an. Strahlend, teils huldvoll lächelnd, teils schroff und abweisend.

„Verzeihung“, entrang sich der Recke seinen Lippen:“ Wie konnte ich nur so unwissend handeln und gegen euch edle Wesen und Hüter des Berges kämpfen.“ Der Recke erkannte nicht nur die Aussichtslosigkeit, sondern auch die Unsinnigkeit seines Kampfvorhabens. Nie und nimmer hätte er hier auch nur die geringste Chance gehabt, geschweige denn, einen solchen Kampf siegreich zu bestehen. Und doch, so spürte der Recke wieder tief in seinem Innern, hatte er irgend etwas gewonnen. Irgend etwas in seinem Innern hatte gesiegt. Und das machte ihn irgendwie glücklich.

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