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Frühlingsauferstehung…

„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche“. . .  Jetzt, nachdem das Oster(Un)wetter vorbei ist und der Frühling sich so langsam in die Natur schleicht, können die Frühlingsgefühle kommen. Die Sonne strahlt derweil mild lächelnd am Himmel (wenigstens zeitweise) und sendet schon warme Strahlen. Da muss sich doch das Gemüt erhellen und die Lebensfreude wieder zunehmen.

Nicht dass ich ein besonders trauriger oder depressiver Mensch wäre und mein Wichtelfreund schon garnicht. Dennoch lässt die Frühlingsstimmung in uns etwas wachsen, was nach draußen drängt, sich offenbaren wollend. Scheinbar ist, wenn auch mit etwas Verzögerung, die frohe Osterbotschaft in uns angekommen. Freude macht sich breit und mit jeder neuen Blüte und all den Blumen, die gerade so mannigfaltig aus dem Erdboden schießen, verstärkt sich diese Empfindung.Frühl-Blum-Wicht1

Etwas friedvolles liegt im Ausdruck der Natur, welche sich üppig zeigt und Wichtel Helferich, wie auch mich, tief im Innern berührt und befriedet. Obwohl in vielerlei Ländern auf unserer Erde Krieg, Schrecken und unsagbares Leid herrscht und das Mitgefühl Aller diesbezüglich enorm strapaziert wird. Dennoch wird dieser Augenblick der Freude durch das Betrachten der Naturentfaltung mit all ihrer Blütenpracht, nicht gemindert.

Mein Wichtel hat mir augenzwinkernd versichert, dass dies keineswegs ein Ausdruck von gefühlsmäßiger Abstumpfung sei, sondern einfach kindlich empfundene Lebensfreude. Wie Kinder, die über die bunte Blumenwiese rennen, kraftvoll in die Welt lachend ihre Lebenskraft ausdrücken und sich vor Freude nicht mehr einkriegen wollen. NaturwFrühl-Kateresen wie Elfen, Wichtel, Kobolde und Trolle kennen keinen anderen Zustand versicherte mir mein Wichtelfreund. Nur wir Menschen würden unter uns selbst leiden, meinte er verschmitzt lächelnd.  Und das Ganze käme nur daher, weil sich die Menschen von der Natur getrennt hätten, oder zumindest sähen…

Das musste ich mir erst mal auf der Zunge zergehen lassen. Was bin ich also nur für ein doofer Spezi einer solch begnadeten Rasse, die sich mit ihrem Verhaltensmuster selbst in Bedrängnis bringt. Und das auch noch in vielerlei Hinsicht. Ob in Politik, Wirtschaft, Religion und gesellschaftlichem Umgang, scheinen alle mit einem Entfremdungs-Virus contaminiert zu sein, der zunehmend alle natürlichen Funktionen und Reaktionen des Menschen unterbindet… „Wie konnte das geschehen und wie konnte das nur so weit kommen?“, frage ich mich betroffen. Mein Wichtel Helferich vom Helfenstein, Freund, Gönner und treuer Lebensbegleiter tröstet mich wieder einmal. „Du musst dich nicht sorgen und schon gar keine Schuldgefühle kultivieren“, meint er. „Bleibe einfach in deinem Selbstvertrauen und in deiner Lebensfreude, damit bist du in einem liebenden und natürlichen Zustand.“

Frühl-Wicht-3Wie gut es tut solch tröstende Worte zu hören und zu wissen, so einen Freund an seiner Seite zu haben, denke ich. Ich erinnere mich an den wichteligen Auftrag, den mein Wichtelfreund mit in unsere Welt brachte. Er wollte die Menschen anregen sich wieder mit der Natur zu verbinden, sie zu ehren, hegen und zu pflegen. Dazu brachte er doch die Botschaft aus dem Wichtelland mit, welche er mit meiner Unterstützung  überall verkünden wollte…     Hört noch einmal her:

Lasst sie leben und aufersteh’n, die Welt der Sagen, der Märchen und Feen. Und bedenket immer, ihr lieben Leute – wenn ihr uns nicht vergessen habt, dann leben wir auch heute..!

Mit diesem wichteligen Aufruf, der meiner Meinung nach genau in diese Zeit der Erneuerung, der Frühlingsauferstehung passt, wünschen Wichtel Helferich vom Helfenstein und ich Euch eine ebensolch kraftvolle Lebensentfaltung wie die Natur sie derzeit bietet…

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Der Pfeil zum Lebensweg

„Herrlich, das passt ja wieder mal zu dir Isak. Mit diesen Worten weckst du auch etwas in den Herzen deiner Zuhörer und Leser“, sprach Wichtel Helferich mit überzeugendem Ausdruck in seiner Stimme. „Auch dein Frohsinn steckt andere an, wenn sie dir zuhören.“ Schmunzelnd antwortete ich: „Ja, genau das möchte ich auch bewirken und du lieber Wichtel hilfst mir dabei.“ „Natürlich mache ich das, aber…“, er hielt etwas inne: „aber erst muss ich noch den Schluss erfahren!“ „Aber gerne, sicher mein Lieber“, entgegnete ich wohlwollend und redete weiter…

Der Pfeil zum Lebensweg

Und wie Prinz Anmut noch über all die seltsamen Dinge nachdachte, die ihm bisher begegnet waren und noch jetzt begegneten, erblickte er am Wegrand, halb von Gras überdeckt, etwas gelb leuchtendes. Im Näher kommen erkannte der Prinz einen gelben steinernen Pfeil, der die Wegrichtung wies.

„Das ist die symbolische Bestätigung“, glaubte er aus seinem Innern zu wissen. „Der Pfeil für alle Lebenswege“, erkannte der Prinz, während er ihn hin und her drehte. Prinz Anmut spürte, dass es ihn irgendwie immer in die jeweilige Richtung der Pfeilspitze zog, egal wohin er den Pfeil wendete.

„Nun denn..“, sagte der Prinz zu sich mit dem steinernen Pfeil in der Faust, während er freudig auf sein wartendes Pferd hopste. Dieses wieherte vergnügt auf und trabte ebenso lebensfroh wie der Prinz weiter auf dem Weg zurück in die Welt. Gut gelaunt über all die schicksalhaften Fügungen und die reichlichen Geschenke, welche er erhalten hatte, summte Prinz Anmut ein Lied. Sein Pferd schlug mit seinen Hufen im Reiten den Takt und wieherte gelegentlich. Mal leiser, mal lauter, wie es gerade zu dem Lied des Prinzen passte. Prinz Anmut wusste, dass er keinerlei Abenteuer mehr bestehen musste. Dank seines „Pfeils für alle Lebenswege“ wusste er intuitiv von nun an immer, welche Richtung er nehmen musste, um dort irgendwo, wo er sein wollte, anzukommen….Knight riding towards the sunset sky dragon

Wichtel Helferich sann ebenso wie ich noch eine ganze Weile über das bisher Erlebte nach. Es war, als hätten wir all das durchgestanden, was wir über den Recken vom Zauberberg erfahren hatten. Irgendwie schien es uns, als hätte sich auch in uns eine Wandlung vollzogen. Es war zwar noch nicht klar wie oder was es war. Auf jeden Fall waren wir uns darüber einig, dass wir uns ganz tKerzenWichte-magic-horzief aus unserem Innern heraus wohlfühlten und das wir alles tun wollten, um diesen Zustand so lange wie möglich beizubehalten…

Eine andere Wirklichkeit…

Kaum hatte Prinz Anmut die Wegbiegung passiert, war irgendwie alles anders geworden. Aller Zauber, alle bisherigeWeg-Alpenpfadn Eindrücke waren plötzlich am Verblassen. Der Prinz wandte sich um und konnte auch keine Helfensteine mehr sehen. „Unglaublich“, entfuhr es ihm. „Aus den Augen, aus dem Sinn“, murmelte er. Der Prinz wunderte sich, wie all das, was er mit solch einer kraftvollen Intensität wahrgenommen hatte, fast verschwand, sobald er es nicht mehr vor Augen hatte.

„Ob es anderen Menschen manchmal auch so ergeht“, fragte sich der Prinz? Da, wie zur Erinnerung an das vorherige Geschehen mit all seinen zauberhaften Empfindungen, lag ein etwa faustgroßes steinernes Herz vor ihm auf dem Weg. Der Prinz stieg von seinem Ross und beschloss hier eine kleine Rast einzulegen, bevor er seinen Weg zurück in die Welt, aus der er gekommen war, antrat.

Das Steinherz war eine Mischung aus Basalt und Tonschiefer, vielleicht auch Muschelkalk, wie die Beschaffenheit des Weges hier in der Gegend. Es passte, wie dafür angefertigt, exakt in die Mulde seines verbeulten, ausgedienten Kampfschildes, dort wo sich einst der Zauberkristall befand. Ein kurzer Fausthieb und das Steinherz war eingepasst, so als sei es von einem Schilderschmied dort eingeschweißt worden. Ein dumpfes, herzschlagartiges Plopp war beim Einschlagen des Steinherzens ertönt. Es klang fast, als wolle es wieder zu schlagen beginnen, wie ein lebendiges Herz im Körper. Da wusste der Prinz, dass er mit diesem Akt irgend etwas erlöst hatte, was in diesem steinernen Herzen gesteckt hatte.

Mit dieser Erkenntnis spürte er sein eigenes Herz pochend und so wohlig warm, und der Prinz gewann den Eindruck, als würde diese Wärme, über seine Hände aus seinem Körper hinaus strahlen. Gleichsam glaubte er das Steinherz auf seinem Schild gelegentlich aufzucken und pulsieren zu sehen. Jetzt wurde dem Prinzen die Botschaft seines weiteren Wirkens in der Welt bewusst. Mit seiner Erfahrung und seinem Frohsinn sollte er die Lebensfreude der anderen Menschen wecken und mit seinem ihm innewohnenden Strahlen ihre Lebensflamme anzünden. So würde auch deren Herz wieder zu neuem, bewussten Leben erweckt…

„Herrlich, das passt ja wieder mal zu dir Isak. Mit diesen Worten weckst du auch etwas in den Herzen deiner Zuhörer und Leser“, sprach Wichtel Helferich mit überzeugendem Ausdruck in seiner Stimme…

Der Abschied -2-

Da funkelte den Prinzen noch ein entfernt glänzendes Auge des im Dunst liegenden Baumdrachens an. Prinz Anmut lachte: „Fast hätte ich dich vergessen“, rief er in die Ferne und sah, wie der Baumdrache ebenfalls lachend über die scheinbar witzige Bemerkung sein Baumdrachengesicht schüttelte.

„Wir werden immer Eins sein und es von nun an bleiben“, dröhnte die erdige Stimme des Zauberzwergs zu dem Prinzen hinüber, gefolgt von der glockenreinen helltönenden Stimme seiner Glücksfee. „Hinter der Wegbiegung am Waldessaum findest du ein versteinertes Herz. Du sollst es mitnehmen zur Erinnerung und anstelle deines Zauberkristalls an deinem ausgedienten Schild befestigen,“ hörte der Prinz noch die immer leiser werdende Stimme tönen….

Er wandte seinen Blick nach links und warf noch einmal einen bewundernden Blick auf die aus dem Dunstschleier auftauchenden Helfensteine. Glückseeliger Schauer überkam ihn. „Bis bald“, rief der Prinz und erstaunlicherweise antworteten ihm die Steine mit einem nachhallenden Echo, oder war es vielleicht der Riese gewesen? „Daaankeee..“, rief der Prinz und ritt mit der Zunge schnalzend an. Vor ihm lag eine Wegbiegung von Bäumen umsäumt.

„Das ist aber eine schöne Abschiedsgeschichte“, rief Wichtel Helferich begeistert. Seine Augen glänzten vor Freude, als hätte er sich gerade von seinen Freunden verabschiedet. Jetzt fehlte ihm nur noch die Elfenkrone und er wäre Prinz Anmut, dachte ich. Dabei fiel mir auf, dass seine Wichtelmütze ja auch einen kronenartigen Ausdruck hatte, da sie oben offen und gezackt war. Also dachte ich, war sie eine Wichtelkrone für mich. Als ich Helferich meine Überlegungen mitteilte, lachte er freudig. „Ja – ich trage die Krone vom Wichtelland!“, rief er begeistert. „Und jetzt bitte weiter erzählen, damit ich alles erfahren kann, was du mit deinem Recken erlebt hast“, fügte er hinzu…

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Der Abschied

„Was für ein Glück, dass es dem Pferd des ehemaligen Recken auch gut ging. Wenn so ein treuer Begleiter, der ja auch so was wie ein Freund geworden war, alles Schlimme mit erleben musste, ist es gut zu wissen, dass es in bester Obhut war“, freute sich mein Wichtel. „Ja du sagst es. Freunde sorgen sich eben um das, was dem Anderen geschieht“, ergänzte ich. „Ich sorge mich jetzt etwas, weil ich weiß, dass du noch nichts gegessen hast mein lieber Wichtelfreund“, sagte ich lächelnd und ging in die Küche.

Wir aßen bedächtig und schweigend, während wir beide damit beschäftigt waren, das bisher gehörte zu verdauen. Kaum hatte Helferich seinen letzten Bissen hinunter geschluckt, zeigte er sich wieder wissbegierig. „Wir nähern uns doch schon dem Ende deiner Geschichte. Willst du nicht gerade weiter erzählen?“, fragte er mit wehmütiger Stimme. „Ja, es sind nur noch drei kurze Kapitel“, bemerkte ich. Wir haben ja nichts weiter geplant und so erzähle ich dir gerne wie es weitergeht“…

Der Abschied

Wie ein goldenes Band schlängelte sich der mond- und sternenbeschienene Pfad talwärts. Prinz Anmut hatte zeitweilig den Eindruck, als ritte er in einem spiegelnden Bach, der mit jedem Huftritt seines Pferdes alles um ihn herum widerspiegeln und erstrahlen lies. Ja, er glaubte auch deutlich jenen strahlenden Umhang zu spüren, der ihn schützend und schmückend zugleich umfing. Aus den Weg umsäumenden Büschen und Gräsern huschten Warmbach-magic-Neg-Kleinmanchmal flüchtige Gestalten kurz aufleuchtend, funkelnd oder blitzend, mit Zirpen, Säuseln, Rascheln oder einem eigenartigem Klingklang. Alle anwesenden Naturgeister verabschiedeten so ihren neu gekrönten Prinzen mit der Elfenkrone. Sie huldigten ihm auf ihre Weise und verstärkten somit des Prinzen tief empfundenes Gefühl, der Einheit des Menschen mit der Natur.

„Danke, danke Euch Allen“, murmelte der Prinz immer wieder. Dann stimmte er noch einmal das Lied des Lachens an. Alle Naturwesen stimmten ein und es war ein gemeinsames lustiges Gelächter, Glucksen und Kichern weit über die Hochebene zu Füßen der Helfensteine zu hören. Dieser melodische Singsang ergoß sich wie ein gemächlich fließender Bach über die Kuppen des Dörnbergs ins Tal. Dort erfasste er die Menschen der anliegenden Gehöfte und der Dörfer, die entweder erstaunt lauschend aufwachten oder einfach entspannt lächelnd weiter träumten.

Zu guter Letzt verabschiedeten sich die Nebelgeister im nahenden Morgengrauen. Zunächst die Kleinen, welche als flache Schwaden vom Erdboden aufstiegen, dann die größeren, welche Ross und Reiter einhüllten. Schließlich im hellen Dämmerlicht die großen, gewaltig anmutenden Nebelgeister der Wolken und mit ihnen wieder der Nebeldrache. „Unglaublich“, entfuhr es dem Prinzen. Hatte der Nebeldrache doch diesmal eine glitzernde Krone auf seinem Haupt. Oder war es die hinter ihm versteckte Morgensonne, welche sein Drachenhaupt funkeln lies? Mit einem Augenzwinkern zerfloss das Nebelgebilde und gab den Blick frei über die Hochebene.

 

Der Prinz kehrt heim…

Ich wachte früher auf, als gewohnt. Sicher lag es daran, dass ich mich vor dem Einschlafen erinnerte, die Uhr auf Sommerzeit umzustellen. Ob Helferich noch schläft dachte ich und ging leise zu ihm. Da zwinkerte mir ein Wichtelauge entgegen, dass ich lächeln musste. „Schön, dass du schon munter bist Isak“, sagte er. „Komm bitte, setze dich zu mir und erzähle wie es mit dem verwandelten Recken, der ja jetzt ein Prinz wurde, weitergeht.“ „Du hast dir aber alles sehr gut gemerkt“, antwortete ich. Brille und Buch lagen noch auf dem Tisch und so setzte ich mich und begann:

Es war dunkel geworden, Mondlicht umfloss funkelnd die Steine. Die Sterne zwinkerten vergnügt und glockenklingend am Nachthimmel. Prinz Anmut ging noch viel bedächtiger als bisher durch die Talsenke zum Tür-Berg ( Dörnberg ), wo er sein Pferd zum Grasen zurück gelassen hatte. Den zerbeulten Schild hatte er sich über den Rücken gehängt. Vor Freude klatschte er in die Hände, als ein leises Wiehern die Wiedersehens-freude seines alten Tierfreundes ankündigte.

Der Himmelsdrache funkelte und ließ ein paar Kometen und Sternschnuppen als prachtvolles Feuerwerk in alle Richtungen fliegen, so als wolle auch er auf diese Weise dem Prinzen seine Glückwünsche übermitteln. „Sternschnuppen bringen Glück“, wusste der Prinz, „es sind die Tränen des Himmels, die die Menschen beschenken wollen.“Wolkendrache-bunt

Freudig schnaubend, die Vorderhufe in den Himmel reckend, empfing den Prinzen sein treuer Weggefährte. Auch der Prinz freute sich und tätschelte ihm liebevoll den Hals. „Tiere sind mir manchmal lieber als Menschen“, gestand sich der Prinz ein, der als ehe-maliger Abenteurer ein Einzelgänger war und bisher eigentlich gar keinen richtigen Freund hatte. Dazu sei bemerkt, dass Abenteurer selten Freunde haben, außer denen, die über sie lesen. Zum Pflegen einer Freundschaft haben Abenteurer eben keine Zeit, weil sie meistens mit ihren Abenteuern beschäftigt sind.

Jetzt als Prinz Anmut allerdings hatte sich eine solch innere Fülle des ehemaligen Recken bemächtigt, dass er den Eindruck hatte, die ganze Welt und alle dort beheimateten Wesen seien seine Freunde geworden. Der Prinz konnte all die Wesenseindrücke in sich spüren und dies erfreute ihn.

An der nicht enden wollenden Begeisterung seines Pferdes merkte Prinz Anmut, dass es seine Verwandlung bemerkte. Als er den warmen Strahl seiner Lebensflamme in sich aufsteigen spürte wusste er, dass sein Pferd die unsichtbare Elfenkrone auf seinem Haupt wahrnahm. Überrascht über die feinsinnige Wahrnehmung seines Tierfreundes machte sich der Prinz einen kurzen Augenblick Gewissensbisse darüber, dass er sein Pferd hier alleine zurückgelassen hatte. Was musste das arme Tier doch erlitten haben, als es von der Höhe des Dörnbergs hinunter auf die Theaterkulisse der „Helfensteiner Elementarschlacht“ blickte. All die dramatischen Ereignisse der letzten Nacht, Feuer, Wasser, Sturm musste das Tier mit erlebt haben. Ungewiss ob sein Herr heil zurück käme, geschweige denn wieder aufsitzen könne.

Da erinnerte ihn das läutende Elfenglöckchen, welches mit einer Silberschnur in der Pferdemähne hing, dass ihm die Naturgeister und allen voran der gefürchtete Zauberzwerg Hüterich Erdschelm versichert hatten, es würde seinem Pferd während der Abwesenheit seines Herrn und Freundes fortan immer gut ergehen. Erleichtert hängte der Prinz den zerbeulten Schild über die Pferdemähne und stieg auf. Das Pferd wandte den Kopf zur Seite und schleckte über die tiefe Schildmulde, aus der der Zauberkristall herausgebrochen war, so als wollte es eine Wunde verschließen. Dann trabte es leise wiehernd los….

Die Krönung II

W.m.KroneJetzt sitze ich hier die ganze Zeit mit dieser schweren Krone auf meinem zarten Wichtelkopf, nur um Euch daran zu erinnern, wie es mit der „Krönung“ weitergeht. . .

Oh ihr ehrwürdigen Elfensteine, die ihr im Volksmund zu den Helfensteinen wurdet, bitte nehmt meine Gaben an. Möge Allen hier geholfen werden“, sprach der Recke und lies zunächst behutsam den Zauberkristall und dann seine Schwertflamme in den Felsspalt gleiten. Ein leuchtendes Beben erschütterte in diesem Augenblick das Bergmassiv und aus der Felsspalte schoss eine lodernde Flamme hoch in den Himmel, um dann funkenstiebend zu vergehen und sich als Feuerregen über die Elfensteine zu ergießen. Das Steingesicht erwachte wieder für einen Augenblick und sprach:

Dankbarkeit ist Deine Zier und weiter kommst Du nur mit ihr.  Mit allem, was Du hier gemacht, ist Dein Lebenswerk vollbracht.  Prinz Anmut sei’st Du nun genannt. Du erhältst die Krone vom Elfenland. Immer, wenn Dein Strahlen das Dunkel durchbricht, leuchtet und funkelt über Dir nun ein Licht. So wirst Du der strahlende Ritter genannt und als Helfer und Retter vieler Menschen bekannt. Jetzt geh‘ und bringe Allen Kunde von Deinem Wissen und uns‘ rem Bunde. Hilfe wird hier dem zuteil, der uns hier lauscht und Glück und Heil.“

Bei diesen Worten funkelte plötzlich das Auge des SteingesSteinkopf-1ichts und sandte einen gewaltigen Lichtstrahl in den Himmel und weit über die umliegenden Täler. Wie ein Peilstrahl, an dem sich jeder in der Region orientieren könnte, wenn er ihm zu den Steinen folgen wollte, um hier an diesem Zauberort, zu verweilen. Kometenhaft verschwand der Strahl im Innern des Steingesichts. Wiederum ausdruckslos starrte es, stumm wie eh‘ und je, über das Land….

Recke Fürchtenichts, nein Prinz Anmut – er musste sich erst noch an seine plötzliche und unerwartete Namenswandlung gewöhnen – wusste, dass er mit seiner Opfergabe das Leben all derer, die hier an Zauber- und Naturwesen existierten, zurück gebracht hatte. Dafür hatten sie ihm ihrerseits Ehrerbietung gezeigt und ihm die unsichtbare Krone der Allwissenden verliehen. Während er, Prinz Anmut, dies dachte, loderte zur Bestätigung vor ihm eine Flamme auf und verschwand zischend in einer Felsspalte. Ein tiefes Gelächter folgte.

„Der schlafende Riese hat sich mit dem Feuerdrachen verabschiedet“, wusste nun der frisch gebackene Prinz. Nach dem Verlöschen der Flamme war die Felsenöffnung verschlossen, regelrecht verschweißt. Nur ein kleiner Höcker auf der dicken BasalSteingesichter-rundtader kündet heute noch von dem Geschehen. Falls jemand in Zukunft mal an der Stelle stehen sollte, die Prinz Anmut nun verließ.

Mein Wichtel trank den Rest seiner Schokolade, welche mittlerweile vom aufmerksamen Zuhören kalt geworden war. „Was für eine wundersame Wandlung. Erst ist er ein alter Haudegen Namens Fürchtenichts und nun ein Prinz, der dazu auch noch Anmut heißt“, bemerkte Helferich kopfschüttelnd. „Da bin ich aber mal gespannt, wie sich das weiter entwickelt und ob das gut geht“, fügte er noch augenzwinkernd hinzu. Ich musste lauthals gähnen und sagte: „Ich glaube uns beiden würde jetzt eine Mütze voll Schlaf sicher gut tun.“ „Das glaube ich auch“, antwortete Wichtel Helferich gähnend. „Ich mach`s mir schon mal bequem Isak. Wenn du mir nach dem Abräumen eine Decke überlegst, wäre ich dir dankbar“, hörte ich ihn flüstern, während ich das Geschirr in die Küche brachte. Als ich zurück kam war mein Wichtel eingeschlafen. Ich legte eine Kuscheldecke um ihn, löschte das Licht und ging zu Bett. . .

Die Krönung I

. . . Wichtel Helferich summte mit dem Fürchtenichts, verfiel zwischenzeitlich in ein dem Recken gleichendes kicherndes Lachen und wandte sich mir zu. Er wirkte wie eines der im Kapitel beschriebenen Zauberwesen. Ich staunte ihn an, denn ich musste erkennen, dass er tatsächlich ein Zauberwesen war. Dennoch war er mir seit unserer Begegnung so Vertraut geworden und sozusagen ans Herz gewachsen, dass ich im Alltag gar nicht mehr darüber nachdachte. Jetzt wurde es mir wieder bewusst und ich war froh, solch einen treuen und liebevollen Begleiter bei mir zu haben.

„Weist du was?“, fragte ich. Was hältst du davon , wenn ich uns was zum Abendbrot mache?“ Helferichs Augen funkelten freudig und er nickte immer noch summend, bestätigend mit dem Kopf. Daraufhin bereitete ich in der Küche unser gemeinsames Abendmahl. Ich zauberte meinem Wichtel ein Überraschungsessen, das er abends sehr gerne verspeiste. Orangenscheiben mit Zimt und Koriander bestäubt, obenauf ein dicker Klecks Schlagsahne mit Vanille.

So etwas leichtes, fruchtiges liebte Wichtel Helferich. Ich verzierte alles mit einpaar Apfelspalten und Nüssen. Als ich ihm dies auf einem großen flachen Teller servierte und ihm dazu noch seine heißgeliebte Schokolade mit Sahnehäubchen dazu stellte, bekam ich anerkennendes Lob. „Danke Isak. Du hast aber auch immer wieder eine leckere Überraschung parat und meistens dann, wenn ich es mir gerade nicht vorstellen kann“, betonte Helferich freudig. Ich schmunzelte nur stumm, nickte und rückte mir einen Stuhl zurecht, während ich zu meiner Lesebrille griff. Sein Wichtelantlitz strahlte, während er lauschte…

Die Krönung I

Wie lange er so dagelegen hatte, wusste der Recke nicht. Die Sonne war weiter gewandert, bemerkte er, als er sich aufsetzte. In der Ferne zwischen den Bergen färbte sich der Himmel in den schönsten Farben, die der Recke jemals gesehen hatte. Der orange strahlende Ball, der aus den fernen Hügeln heraus zu hüpfen schien, kündete an, dass die Sonne bald hinter den Bergen untertauchen würde, um dann im Mondlicht weiter auf die Erde zu strahlen.

Hst.-Sonn-Unterg-rund-KleinEs war noch nicht ganz vollbracht, spürte der Recke als deutliche Botschaft in sich. Er musste jetzt unver-züglich handeln bevor die Nacht anbrach, die seinen Abschied von diesem wundersamen Ort andeutete. „Am liebsten möchte ich hier bleiben“, dachte der Recke. Ihm war klar, wenn nach ihm jemals wieder jemand auf Grund seiner abenteuerlichen Geschichte hier oben saß und dabei vielleicht auch noch in seine Lachtränen-Pfütze schaute, erging es diesem Jemand ebenso wie ihm jetzt. Sicher würde auch dieser Mensch, ob Groß oder Klein, nur schwerlich und unter Aufbietung all seiner Kräfte, den Abstieg und den Weg nach Hause antreten.

Ich werde eine dauerhafte magische Erinnerung hierlassen, die allen Menschen hilft, diesen zauberhaften Ort wieder verlassen zu können. Sie sollten in Freude und mit der Gewissheit, diesen magischen Ort jederzeit besuchen zu können, gehen. Durch mein Geschenk an die Elfenwesen hier werden diejenigen, welche den tiefen Wunsch in sich verspüren, hierher kommen zu wollen, den Weg wiederfinden.“ Dieser Gedanke, etwas so nützliches für Alle tun zu können, erfüllte den Recken mit solcher Freude und Kraft, dass er am liebsten zersprungen wäre, um sich überall hin auszudehnen…

Bedächtig erhob er den Zauberkristall, legte ihn in seine linke Hand und nahm in die rechte seine abgekämpfte Schwertklinge, die jetzt einer stählernen Flamme glich. Der Kristall hatte über Tag das Sonnenlicht gespeichert und fühlte sich wohlig warm an, wurde zusehends wärmer, sogar heiß. Ebenso war es mit seinem Schwert-Flammen-Gebilde. Achtsamen Schrittes näherte sich der Recke, über das Rückgrat des Berges schreitend, einer Felsspalte hinter dem Steingesicht, welches schon seit je her unentwegt ins Tal blickte.

„Hier werde ich mein Schwert, das ich in meinem letzten und entscheidenden Kampf meines Lebens zur symbolischen Flamme meines Herzens formte, versenken. Meinen Zauberkristall werde ich ebenso hier lassen, als Danksagungs-Opfer und als Pfand für meine Wiederkehr. . .W.m.Krone

Wie`s mit der Krönung im Reckenkapitel weitergeht, erfahrt Ihr im nächsten Blog. Ich  übe schonmal vorab. . .

Die Wandlung

„Hier ist das Dach der Welt oder zumindest meiner Welt“, dachte er froh. Ein bisschen Stolz fühlte er in sich auf-steigen ob des erhebenden Augenblicks. „Wird dies hier nur mir zu Teil oder könnte ich diese, meine Weltsicht auch mit anderen teilen?“,fragte er sich. „Ja, das war es“, kam dem Recken als Idee in den Sinn. Er war ja hierher gekommen um sein größtes Abenteuer zu bestehen. „Hm, nun ja, bestehen?“, fragte sich der Recke. Von Bestehen war nach all dem Erlebten keine Rede mehr, blieb aber noch das Erleben. Und so betrachtete er vor seinem inneren Auge noch einmal den Werdegang des ganzen Geschehens.

Waren es nur Sekunden oder Stunden, vielleicht sogar Tage…. Alles fühlte sich so zeitlos an. Vor des Recken geistigem Auge lief der ganze Erinnerungsfilm ab, einschließlich der letzten Kampfszenen. „Unglaublich, ja ungeheuerlich“, sagte er sich immer wieder. Am meisten überraschte den Recken die Vorstellung, wie er das alles unversehrt hatte überleben können. Und das bei der hier herrschenden Kraft, ja Gewalt der Natur-Elemente.

Der Recke saß inmitten der Basaltadern auf dem Bergplateau und schüttelte bei seinen Vorstellungen ungläubig den Kopf. „Nein, das konnte er keinem Menschen erzählen. Das würde ihm niemand glauben, obwohl es doch so war. Zweifel überkamen den Recken, während er den funkelnden Zauberkristall, den er bisher immer noch in den Händen hielt, behutsam neben sich auf dem Fels ablegte. „Danke, mein treuer BeschüHimmelfelsentzer“, dachte der Recke dabei. Und wie er so dasaß, erfüllt von all seinen inneren Empfindungen von Zweifel, Trauer, Ungewissheit und Furcht, spürte er wieder sein inneres Licht.

Vielleicht waren es die gleißenden Sonnenstrahlen, die sein inneres Licht entfacht hatten. Vielleicht war ja auch diese innere Flamme nur Ausdruck und Wider-spiegelung jener ihn umgebenden Sonne. Vielleicht war ja auch jeder einzelne Sonnenstrahl eine Botschaft an all die vielen Menschen, ja an alle Lebewesen unter der Sonne. Und natürlich auch eine Botschaft an diese altehrwürdigen Steine.

„Lebendiges Licht, Himmelsfeuer“, entfuhr es dem Munde des Recken. Ihm wurde plötzlich klar, alles wurde und wird immer wieder beseelt durch dieses Feuer des Himmels. Und jede Hoffnung, sei sie auch noch so klein, würde von dieser göttlichen Lebensflamme, der Sonne, zur Entfaltung angeregt um sich in diese Wirklichkeit hinein auszuwachsen. Jäh flackerte des Recken innere Lebensflamme empor, schoss hoch über seinen Kopf hinaus in den Himmel und gleichzeitig ganz durch ihn hindurch in die Tiefe des Felsens, des Berges, noch tiefer, bis in die Erdmitte. Der Recke erinnerte sich jetzt wieder an den Feuerblitz, welcher ihn traf, als er den aussichtslosen Kampf aufgab. Dieser Blitz, der ihn scheinbar sterben lies, ihn aber nur in den Traum des Vergessens schickte. Jetzt empfand der Recke, aus sich selbst heraus, aus seiner Erdmitte oder dem Himmel, völlig neu geboren worden zu sein. Mit dieser Empfindung lies sich er sich einfach nach hinten fallen, lag mit seinem Kopf gebettet auf einem Basaltblock, während er mit einem sanften Lächeln auf den Lippen in den Himmel blickte.

Wolkenhimmel-rund-kleinHier war der Himmel für den Recken offen. Um seinen Horizont hatten sich wattebauschartige Wölkchen kreisrund angeordnet, so dass es den Anschein hatte, als blickte er in ein Loch im Himmel oder in ein Himmelsauge. Aus seinem Innern drangen alle möglichen Stimmen und auch Empfindungen, die er jemals hatte, nach draußen. Der Recke sprach gedanklich mit allen auftauchenden Bildfiguren und Wesen gleichzeitig. Dennoch war es kein Durcheinander, sondern so, als wäre er mit jedem im Zwiegespräch… Der Recke hörte den Zauberzwerg sprechen, seine Glücksfee lachen, die Türbergstimme und das Steingesicht, den schlafenden Riesen und alle Elfensteine um ihn herum raunten und flüsterten. Es war wie ein Chorgesang und ab und zu sprach oder sang ein Solist seine Botschaft in die Welt. Natürlich zu allererst zu ihm, dem Recken.

Unbeschreiblich schön empfand er dies. Er fühlte sich so geborgen, gebettet wie auf Federn und gewiegt im Summen der Steine. „Ihr seid wahrhaftig lebendig“, entfuhr es dem Recken laut, worauf ein Kichern und Säuseln ertönte, dem ein dezent dröhnendes Riesenlachen folgte: „Ho, ho, hooo…“ Spontan musste der Recke sich ebenfalls lachend in diesen Gelächterfluss einfügen, welcher wie eine sprudelnde Quelle über die Steinstufen hüpfte und sich glucksend, freudig kichernd als Lach-Geplätscher ins Tal ergoss. Lachtränen rannen dem Recken über das Gesicht und sammelten sich unter seinem Kopf in einer Steinmulde. „Ha, ha, ha – Ho, ho, ho“ sang der Recke Fürchtenichts sein Lied mit den Elfensteinen und allen Zauberwesen….

Wichtel Helferich summte mit dem Fürchtenichts, verfiel zwischenzeitlich in ein dem Recken gleichendes kicherndes Lachen und wandte sich mir zu. Er wirkte wie eines der im Kapitel beschriebenen Zauberwesen…

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Wichtelige Einkäufe

„Oh Isak, das gefällt mir aber gut. Zum Glück hat dein Recke Fürchtenichts alles bisher ja gut überstanden!“, rief mein Wichtelfreund begeistert. „Jetzt können wir auch eine Pause machen und all die schönen Dinge besorgen, die wir unseren Gästen, deinem Sohn und seiner Tochter, anbieten können.“

Etwas nachdenklich fügte er hinzu:“ Ihr habt doch so bestimmte Familienregeln oder Verwandschaftsverhältnisse, sowas hattest du mir mal erklärt. Was bist du denn jetzt für die Tochter deines Sohnes?“ Ich schmunzelte mal wieder über die Wissbegierigkeit meines Wichtels und antwortete:“ Ich bin ihr Opa und sie ist meine Enkelin. „Aha“, meinte Helferich nickend: „Und was wäre ich dann..?“                            „Hm“, brummelte ich: „Wenn ich dein Wichtelpapa bin, wärst du der Bruder meines Sohnes. Somit bist du ihr Onkel und sie ist deine Nichte, verstehst du?“ „Klar doch“, strahlte Wichtel Helferich verschmitzt, wenngleich ich ihm auch nicht so richtig glaubte. Aber das spielte ja keine Rolle, Hauptsache war, dass sich mein „Wichtelsohn“ nun freute. „Aber sicher hat meine Nichte doch auch einen Namen“, meinte Helferich mit einem treuherzigen Augenaufschlag. „Ja natürlich, sie heißt Lilith“, sagte ich: „und ich habe sie ebenso wie du, noch nicht gesehen.DCIM100MEDIA

Unser gemeinsamer Einkauf dauerte wesentlich länger als ich gedacht hatte. Immer wieder erblickte mein Wichtel etwas, was er doch gerne seiner Nichte Lilith schenken wollte. Ich musste bei all dem grinsen, denn mein Wichtel unterschied sich trotz seiner andersartigen Abstammung, mittlerweile nicht mehr vom Verhalten von Menschenkindern. Es erinnerte mich so sehr an die Einkaufs-szenen mit meinen Kindern, die jetzt alle Erwachsene waren. „Schau doch mal Isak, das müssen wir doch mitnehmen. Darauf freut sie sich doch bestimmt“, hörte ich nun schon zum wiederhoDCIM100MEDIAlten Male.

„Oho, eine Tigerente“, bemerkte ich. „Ja und schau mal hier, dieser süße Schneewichtel und auch der da mit seinem karierten Spitzhut“, und so ging es weiter, bis ich endlich abgenickt hatte und wir unseren Einkauf im Auto verstauen konnten.

Helferich nickte zufrieden, als ich ihn auf seinem Sitz anschnallte und als ich eingestiegen war um das Auto zu starten, bemerkte ich mit einem Blick in den Rückspiegel, dass er eingeschlafen war. Sicher träumte er schon davon, wie er seiner Nichte Lilith die kleinen Geschenke überreichte, denn ich glaubte ein leichtes Lächeln auf seinem Wichtelantlitz zu erkennen.

Als ich zu hause angekommen die Einkäufe ausgeladen hatte, trug ich den immer noch schlafenden Wichtel ins Wohnzimmer und bettete ihn in einen Korbsessel. Dies war einer seiner Lieblingsplätze. Kaum hatte ich ihn abgelegt, richtete er sich mit erstauntem Blick auf und rieb sich seine Augen. „Was habe ich da nur alles geträumt?“, murmelte er. „War es denn was Schönes?“, fragte ich.                                                       „Ja, aber es war so kunterbunt durcheinander. Der Recke Fürchtenichts ritt mit Lilith aufDCIM100MEDIA der Tigerente und ich saß mit einer Teddybärenfamilie auf einem Sofa“. Jetzt bemerkte mein Wichtel die beiden kleinen Wichtel-figuren, die er im Geschäft für seine Nichte ausgesucht hatte, neben sich. „Wie kommen die denn hierher?“, fragte er verwundert. „Die wollten deinen Schlaf bewachen“, sagte ich lächelnd und blinzelte ihm zu. „Schau, da ist auch noch die Grinsekatze mit der Wackelblume im Topf und du mittendrin, erinnerst du dich?“, fragte ich. Ich musste Helferich im Geschenkeladen in dieser Pose am Kamin fotografieren, damit wir dann endlich wieder gehen konnten.DCIM100MEDIA

Jetzt staunte er über das Foto und freute sich so sehr, dass er einen Lachanfall bekam. „Ha, ha Isak. Du hast so betröppelt geguckt, als ich sagte, dass wir nicht eher gehen könnten, bis dass ich so fotografiert werden müsste. „Ha, ha, ha, gleich lache ich auch wie dein sagenhafter Recke, ho, ho, hoo!“, klang es lauthals aus seinem Mund, während ich ganz verdattert dastand. „Komm, mach nicht so lange. Das ist eine gute Gelegenheit weiter von deinem Reckenabenteuer zu erzählen“, kicherte mein Wichtel immer noch belustigt. Jetzt war ich es, der Lachen musste über so viel Humor und Wichteldreistigkeit. Ich stimmte in sein kicherndes Lachen ein und zündete eine Kerze an, um erst mal wieder zur Ruhe zu kommen…

Die Wandlung

Inmitten der Felsgebilde kniete sich der Recke, einer inneren Eingebung folgend ins Gras. Er verbeugte sich ganz tief, dass er die Erde und das heuartig duftende Gras riechen konnte. Kräuter und Blumen bedeckten sein Gesicht, während sich Recke Fürchtenichts bei dem von ihm als heilig empfundenen Ort entschuldigte.

Ein leises Raunen ertönte um ihn herum. Die Steine summten, Vögel zwitscherten jubilierend im Sonnenhimmel, als er sich erhob. Ein Schmetter lingspaar, so groß, wie der Recke bisher noch nie einen Schmetterling gesehen hatte, umschwirrte ihn mit akrobatischen Flug-Gaukeleien, als wollte es sich bei ihm bedanken. Augenblicklich wusste er, was er jetzt zu tun hatte. Obwohl er einen leichten Hunger verspürte, ging der Recke ohne zu zögern zurück zu seinem verbeulten Schild. Schützend nahm er den Zauberkristall in beide Hände, klemmte sich völlig unritterlich sein kaputtes Schwert unter den Arm und stieg so behutsam schreitend die Basaltstufen empor.

Ein Schwalbenschwarm begleitete den Recken mit kunstvollen Flugdar-bietungen. Schmetterlinge aller Arten umgaukelten ihn, ja selbst eine azurblaue Libelle schraubte sich um ihn herum. Hummeln und Bienen begleiteten den Recken summend, während dieser Stufe um Stufe höher stieg, so als wollte er in den wolkenlosen Himmel steigen. Oben angekommen, verharrte er ehrfürchtig auf der Basaltplattform. Staunend betrachtete er die gewaltigeHfst-Wesen gemaltn Steinadern zu und unter seinen Füßen, das erstarrte Blut der Erde. Des Recken Blick schweifte über die umliegendenhen, Täler und Berge, zwischen denen einige Dörfer eingebettet waren…